Nach wie vor sind Barf Profile in aller Munde und werden recht häufig beim Tierarzt durchgeführt. Doch immer wieder hört man auch Berichte über den Unsinn von solch einem Barf Profil.

Aber was stimmt denn nun? Bringt ein Barf Profil bzw. Barf Blutbild dem Hundehalter wirklich nichts?

Das Barfen und die Blutbilder

Die Vorteile vom selbst zubereiteten Hundefutter sind nicht von der Hand zu weisen.
Man weiß genau was im Futternapf landet. Das Futter ist frei von Füllmaterialen, Aroma- oder Zusatzstoffen und man kann die Qualität der „Rohstoffe“ selbst bestimmen.
Es stellt wohl die natürlichste Art dar seinen Hund zu ernähren.

Außerdem lieben die allermeisten Hunde ihr Hundefutter aus frischen Zutaten heiß und innig.

Der Grund warum wir uns mit Barfen, Rohfütterung oder selbst kochen beschäftigen, ist doch immer der gleiche:
Wir wollen das Beste für unsere Fellnase!
Es soll die Gesundheit unseres Hundes so beeinflussen, dass er lange gesund bleibt.

Doch jeder der sich mit dem Thema Barfen und Co beschäftigt, wird sehr schnell mit vielen neuen Fachausdrücken konfrontiert: Calcium, Phosphor und dann auch noch das richtige Verhältnis…, Vitamin A, Vitamin D, Jod, Nährstoffunterversorgungen etc.

Gerade wenn man sich neu in dieses Thema einliest, kann einen dies zunächst erschlagen. Denn wer möchte seinen Hund schon solchen Risiken aussetzen?
War doch unser Ziel: die Gesundheit zu steigern!

Und so bieten einige Labore sogenannte „Barf Profile“ an. Ziel dieser Untersuchung soll es sein, mit Hilfe von Laborparametern bestimmte Auffälligkeiten aufzudecken.
Doch die Bezeichnung Barf Profil führt immer wieder zu Missverständnissen.
Warum das so ist, möchte ich dir nun zeigen.

 

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Was ist ein Barf Profil?

Wie schon geschrieben kann man so ein Barf Profil im Rahmen einer Blutuntersuchung in Auftrag geben.
Die Kosten für so eine Untersuchung liegen ungefähr bei 120 – 180 €.
Darin  enthalten ist die Untersuchung verschiedener Blutparameter. In der Regel wird neben einem kleinen Blutbild, auch Albumin, Calcium, Phosphat, Kupfer, Zink, Jod, Vitamin A, Vitamin D (25-OH) und T4 untersucht.
Was das genau bedeutet, erkläre ich dir natürlich auch noch.

Tatsächlich wäre es natürlich klasse, wenn wir anhand des Blutbildes genau sehen würden, ob der Hund Über- oder Unterversorgen aufweist. Doch leider ist dies in der Realität nicht so einfach.

Deckt ein Barf Profil rationsbedingte Nährstoffunter- oder Überversorgungen auf?

Ganz klar: leider nein.

Das liegt an mehreren Faktoren.
So schreibt Laboklin, dass Barf Profile: „einen Überblick über den Gesundheitszustand des Tieres vermitteln. Die Feststellung einiger Krankheitsbilder ist von großer Bedeutung, um bei der Gestaltung der Ration die daraus resultierenden besonderen Anforderungen berücksichtigen zu können.
Und weiter heißt es:
Außerdem können Serumwerte außerhalb der Norm bei klinisch unauffälligen Tieren Hinweise auf eine eventuelle Dysbalance liefern und ein Anlass für eine bilanzierte Rationsüberprüfung oder -berechnung sein.

Die Überprüfung der Laborparameter ist somit durchaus empfehlenswert,  fütterungsbedingte Mängel können jedoch endgültig nur über eine genaue Analyse der Ration aufgedeckt werden. Wichtig ist ebenfalls, dass auch Serumwerte innerhalb der Norm keinen Rückschluss auf eine ausgewogene Ernährung zulassen.
Einige Blutwerte verändern sich erst bei starken und/oder langanhaltenden Mängeln, da sie zuvor durch die körpereigene Homöostase in der Norm gehalten werden.
Somit kann im Fall von normalen Serumwerten die Beurteilung einer ausgewogenen Ernährung ausschließlich über eine Rationsberechnung erfolgen.“ Quelle: Laboklin

Kurz gesagt – ein Barf Profil erfüllt mehr eine Check-up Funktion

Kurz gesagt, ist der Begriff „Barf Profil“ etwas irreführend gewählt und bedeutet also mehr, dass diese Blutuntersuchung eine sogenannte Check-up Funktion erfüllt und im Vorfeld klären soll, ob eine mögliche Erkrankung vorliegt oder nicht. Denn bei bestehenden Erkrankungen müssen natürlich bestimmte Besonderheiten hinsichtlich der Rationsgestaltung beachtet werden.
Zum Beispiel bei einem nierenkranken Hund: ein bedarfsgerechte Proteingabe.
(Mehr zum Thema „Fütterung beim nierenkranken Hund“ erfährst du hier)

Es bedeutet aber auch, dass man nur mittels einer Rationsüberprüfung genau sagen kann, ob die Ration irgendwelche Mängel aufweist oder nicht.

Welche Blutparameter werden untersucht?

Das ist tatsächlich etwas abhängig von den jeweiligen Laboren. In der Regel werden folgende Parameter in der Blutuntersuchung ermittelt:

  • Kleines Blutbild
  • Albumin
  • Calcium
  • Phosphat
  • Kupfer
  • Zink
  • Jod
  • T4
  • Vitamin A
  • Vitamin D (25-OH)

Das kleine Blutbild

Mit einem kleinen Blutbild verschafft man sich einen Überblick über das sogenannte rote und weiße Blutbild.
Man erhält somit Informationen über: Erythrozten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen), Hämatokrit (Anteil der festen Bestandteile des Blutes) und Hämoglobin (der rote Blutfarbstoff).

Somit erfährt man etwas über den allgemeinen Gesundheitszustand des Hundes (liegen z. B. Entzündungen vor?).

Wenn du mehr über die einzelnen Blut-Paramter erfahren möchtest, dann schau dir doch mal meinen Artikel zum Thema: „So interpretierst du ein Blutbild“ an.

 

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Albumin

Albumin ist ein sehr wichtiges Protein, das in der Leber hergestellt wird. Es ist wichtig für den Flüssigkeitstransport im Körper und bindet Wasser, sodass der Anteil der Flüssigkeiten innerhalb und außerhalb der Blutgefäße konstant bleibt.
Sinkt der Albuminspiegel im Blut, kann dies ein Hinweis für chronische Leber- oder Nierenerkrankungen sowie Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes sein.

Calcium

Calcium ist wichtig für die Stabilität der Knochen, so sind ungefähr 90% des gesamten Calciums in den Knochen gespeichert. Außerdem ist Calcium wichtig für die Muskelarbeit und für die Blutgerinnung. Der Calciumspiegel wird im Körper ganz genau reguliert. Sinkt der Calciumgehalt im Blut wird ein bestimmtes Hormon aktiviert (Parathormon) und dieses wiederum führt dazu, dass vermehrt Calcium aus den Knochen freigesetzt und die Aufnahme über den Darm gesteigert wird.
Das wiederum ist aber auch der Grund, dass sich der Calciumwert im Blut nicht für die Rationsüberprüfung eignet! Denn weder Über- noch Unterversorgungen verändern den Blut-Calciumwert.
Somit hat dieser Wert keine Aussagekraft für eine ausgewogene Barf-Ration.

Phosphor

Auch der Phosphorwert wird typischerweise in einem Barf Profil ermittelt.
Doch genauso wie das Calcium wird auch Phosphor hauptsächlich in den Knochen gespeichert und sorgt für die Knochenstabilität. Darüberhinaus enhalten auch die Organe, sowie die Muskulatur größere Mengen Phosphor.
Phosphor ist neben der Knochenstabilität auch wichtig für die Energiegewinnung der Zellen. Grundsätzlich ist eine Unterversorung von Phosphor in einer typischen Barf-Ration eigentlich nicht möglich, da vor allem Fleisch und die Innereien sehr phophorreich sind.
Das überschüssige Phosphor wird vom Körper über den Urin wieder ausgeschieden.

Kupfer

Der Körper benötigt Kupfer zur Blutbildung, zur Pigmentbildung (Fell) und für das Bindegewebe. Hauptspeicherort ist die Leber und genau hier liegt auch das Problem.
Um den Kupfergehalt genau zu messen, muss man ein Stückchen Leber histologisch untersuchen. Das macht natürlich keiner…
Somit ist auch dieser Wert nicht wirklich zur Überprüfung einer Barf-Ration geeignet.

Zink

Auch Zink ist essentiell wichtig für eine gesunde Haut und ein schönes Fell. Außerdem übernimmt es wichtige Aufgaben in der Wundheilung und für das Immunsystem. Zink wird hauptsächlich in den Knochen gespeichert und ist starken Fütterungsschwankungen ausgesetzt (steigt kurz nach der Fütterung an und fällt dann allmählich wieder ab). Somit eignet sich dieser Wert hinsichtlich einer Barf-Überprüfung nur bedingt.

 

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Jod

Jod ist der wichtigste Nährstoff wenn es um die Schilddrüse geht. Es wird nämlich in den Schilddrüsenhormonen eingebaut und ist somit ganz wichtig für die Schilddrüsenfunktion.
Deshalb sollte man neben Jod vor allem auch das T4 (Schilddrüsenhormon) bestimmen lassen.

Da Über- und Unterversorgungen vom Jod direkten Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion haben, sollte man die Jodzufuhr bei selbstzubereiteten Rationen (z. B. Barfen) stets gut im Blick haben.
Die Jodzufuhr kontrolliert man idealerweise über eine Rationsüberprüfung.

T4 – Thyroxin

Als T4 bezeichnet man ein Schilddrüsenhormon, dass in der Schilddrüse gebildet wird. Die Bildung wird dabei vom sogenannten TSH stimuliert. Dieses TSH (Thyreotropin) ist ein Hormon im Gehirn, genauer gesagt im Hypophysenvorderlappen und steuert die Schilddrüsenhormonbildung.
Du sieht also T4 und TSH hängen sehr eng beieinander und sollten deshalb auch immer gemeinsam bestimmt und ausgewertet werden.

Ein Teil der Schilddrüsenhormone (T4) befindet sich ungebunden in der Blutbahn. Dabei ist die Menge des T4 jedoch von vielen verschiedenen Faktoren abhängig (Alter, Geschlecht, Krankheiten etc.).

Und sowohl Über- als auch Unterversorgungen führen zu einem niedrigen T4 Wert und einem erhöhten TSH Wert. Außerdem muss bei der Interpretation der Werte auch berücksichtigt werden, dass Rationsanpassungen nur sehr langsam angepasst werden.
Wenn zum Beispiel eine jodarme Ration mittels einer Rationsüberprüfung angepasst und korrigiert wird, kann es bis zu einem Jahr dauern bis sich auch die Blutwerte wieder im Normalbereich befinden.
Deshalb sollte man bei der Interpretation der Werte vorsichtig sein und dies im Hinterkopf behalten.

Vitamin A

Neben den oben genannten Parametern wird in der Regel auch Vitamin A in einem Barf Profil bestimmt.
Altbekannt ist natürlich das Vitamin A (Retinol) wichtig für die Sehkraft ist. Aber es ist genauso wichtig für das Wachstum an sich, für die Hautfunktion oder für das Immunsystem.
Das allermeiste Vitamin A wird dabei als fettlösliches Vitamin in der Leber gespeichert. Im Blut wird lediglich das sogenannte freie, also ungebundene, Vitamin A gemessen und bisher ist sich die Wissenschaft nicht sicher inwieweit die Ergebnisse aussagekräftig sind.

Vitamin D

Auch Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und wird vorwiegend in der Leber und im Fettgewebe gespeichert.
Vitamin D spielt eine wichtige Rolle im Knochenstoffwechsel und reguliert die Aufnahme von Calcium und Phosphor. Im Blut findet man eine Vorstufe vom Vitamin D, das sogenannte 25-Hydroxychalciferol (25-OH). Und genau das sollte vom Labor auch gemessen werden. Tatsächlich ist dies bei einem Mangel reduziert und kann somit zur Beurteilung der selbst gemachten Rationen herangezogen werden.
Alle anderen Vitamin D Zwischenprodukte haben jedoch keine ausreichende Aussagekraft!

Fazit: Investiere das Geld lieber in eine Rationsüberprüfung

Wenn man diese Tatsachen berücksichtigt, eignet sich ein sogenanntes Barf Profil nur bedingt um fütterungsbedingte Nährstoffimbalancen aufzudecken.
Denn insgesamt betrachtet, ist die Aussagekraft einfach recht gering und stellt immer nur eine Momentaufnahme dar. Somit sind längerfristige Nährstoffabweichungen nicht durch ein Barf Profil bzw. einer Blutuntersuchung nachweisbar.

Die einzige und beste Möglichkeit Nährstoffdefizite aufzudecken stellt die Rationsüberprüfung dar.
Dabei wird ganz individuell auf den Hund geschaut, ob er mit allen nötigen Nährstoffen versorgt wird und ob die Ration insgesamt ausgewogen ist oder ob Anpassungen vorgenommen werden müssen.


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