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Die eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra) der Hündin, www.vet-dogs.de

Die eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra) der Hündin – ein häufiger Notfall

Ein absoluter Notfall und häufiger vorkommend als man denkt – die eitrige Gebärmutterentzündung  (Pyometra) der Hündin, auch Gebärmuttervereiterung genannt.
Gerade wegen den oben genannten Gründen, sollte jeder Hundehalter (vor allem wenn man eine intakte Hündin als Wegbegleiterin hat) die wichtigsten Fakten zu dieser Erkrankung kennen.
Da in der Klinik die eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra) zu den häufigsten vorgestellten Notfällen zählt, möchte ich dir heute diese Erkrankung vorstellen.
Zunächst lass uns einmal schauen, was eine eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra) überhaupt ist.

Die eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra) – Was versteht man darunter?

Wie der Name es schon vermuten lässt, handelt es sich um eine Gebärmutterentzündung, bei der diese mit eitrigem Inhalt gefühlt ist. Grundsätzlich wird diese Erkrankung hormonell, durch Östrogen und Progesteron beeinflusst.

Die eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra) entsteht typischerweise in der Phase der Progestronbildung (Diöstrus) und danach im Anöstrus. Am häufigsten entsteht die Erkrankung zwischen 2 Wochen und 4 Monate nach einer Läufigkeit.

Welche Umstände begünstigen die Entstehung einer eitrigen Gebärmutterentzündung?

Einige Studien belegen einen Zusammenhang mit dem Auftreten einer eitrigen Gebärmutterentzündung und Hündinnen die älter als 4 Jahre sind und Hündinnen die keine Trächtigkeit hatten.
So geht man davon aus, dass eine Trächtigkeit einen „schützenden Effekt“ auf die Entstehung einer eitrigen Gebärmutterentzündung hat.

Einen Zusammenhang zwischen einer Scheinträchtigkeit und einer eitrigen Gebärmutterentzündung konnte dabei nicht nachgewiesen werden.

Zwei Studien: Fukuda S. Incidence of pyometra in colony-raised beagle dogs  und Chastain CB, Panciera D, Waters C. Associations between age, parity, hormonal therapy and breed, and pyometra in Finnish dogs wiesen nach, dass Airedale Terrier, Bernhardiner, Berner Sennenhund, Cavalier King Charles Spaniel, Collie, Golden Retriever, Irish Terrier, Miniaturschnauzer und Rottweiler ein erhöhtes Risiko haben eine eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra) zu entwickeln.

Auch die Behandlung einer Hündin im Alter von 1-4 Jahren mit Östrogenen, erhöht das Risiko eine eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra) zu entwickeln, deutlich. So ist die Verhütung mit Östrogenen bei einer diöstrischen Hündin besonders gefährlich. Wobei auch angemerkt werden muss, dass die Verhütung mittels Östrogenen heutzutage kaum mehr durchgeführt wird, da es deutlich bessere Alternativen gibt.

Wie schon geschrieben, ist die Erkrankung hormonell beeinflusst. Deshalb schauen wir uns zunächst einmal den normalen Zyklus einer Hündin an.

Die Zyklusphasen einer Hündin

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Prä-Proöstrus – Die Aktivität im Eierstock nimmt zu

Der Prä-Proöstrus schließt sich an Ende eines Anöstrus an. In dieser Phase kommt es zu einer Stimulation der Ovaraktivität (Eierstock-Aktivität), nachdem bestimmte Bereiche im Gehirn (Hypothalamus) aktiviert wurden. Durch diese Aktivierung kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung bestimmter Hormone (Östrogen, LH und FSH) die wiederrum das Follikelwachstum (Eibläschen-Wachstum) fördern. Insgesamt dauert diese Phase ungefähr 1-3 Wochen. Äußerlich ist diese Phase jedoch nicht zu identifizieren. Manche Rüden zeigen bereits in dieser Phase ein gesteigertes Interesse an der Hündin, diese reagiert aber teilweise mit heftiger Ablehnung darauf.

Proöstrus – die Läufigkeit der Hündin

Der Beginn der nächsten Phase, der Proöstrus ist gekennzeichnet durch blutigen Ausfluss und einer Schwellung der der Vulva. Zum Ende des Proöstrus nimmt die Schwellung immer weiter zu und gleichzeitig nimmt die Blutung ab. Hormonell sind kontante Östrogenwerte messbar, die zum Ende der Phase absinken. Die Rüden zeigen den Hündinnen gegenüber ein erhöhtes Interesse, während diese immer noch, zum Teil mit heftiger Ablehnung reagieren. Der Proöstrus dauert einige Tage (3-9 Tage).

Östrus – oder auch Standhitze

Die Phase des Östrus wird auch Standhitze genannt, denn es beschreibt den Zeitraum, in dem die Hündin den Deckakt zulässt, der vaginale Ausfluss von blutig zu klar wechselt und die Schwellung der Vulva wieder abnimmt.
Zeitlich gesehen, dauert der Östrus nur wenige Tage (3-9 Tage). In dieser Phase sinken die Östrogenwerte weiter, was wiederrum ein bestimmtes Hormon, dass LH aktiviert, dass anschließend stark ausgeschüttet wird (LH-Peak) und so den Eisprung (Ovulation) herbeiruft. Gleichzeitig steigen die Progesteronwerte, durch eine Luteinisierung der Eizelle, an.

Diöstrus oder Metöstrus – die Zeit der Scheinträchtigkeit

Nach dem Östrus folgt der Diöstrus, der auch als Metöstrus bezeichnet wird, bzw. die Schwangerschaft (Gravidität). Diese Phase beginnt im Schnitt 7 Tage nach der Ovulation. Bei tragenden Hündinnen dauert der Diöstrus zwischen 59 und 63 Tagen. Ist eine Hündin nicht tragend dauert er in der Regel 80-90 Tage an.
Bestimmte Hormone sind bei tragenden und nicht-tragenden Hündinnen in den ersten (ca.) 60 Tagen ähnlich (Progesteron, LH, Östrogen).
Das Hormon Progesteron steigt dafür zunächst rasch an und bleibt bis zum 20. Tag auf einem hohen Niveau. Anschließend sinkt die Konzentration und ein anderes Hormon, das Prolaktin steigt an. Durch diesen Hormonverlauf zeigen die Hündinnen ab dem 25. Tag ein unterschiedlich ausgeprägtes Nestbauverhalten, eine Pseudo-Schwangerschaft oder Gesäugeanbildung.

Anöstrus – die Ruhephase der Eierstöcke

Schlussendlich folgt der Anöstrus dieser ist durch niedrige Hormonkonzentrationen gekennzeichnet und die Dauer ist sehr variabel (Wochen bis Monate). So spielen Rasse, Allgemeinbefinden, Alter, vorrausgegangene Trächtigkeiten und vieles mehr eine Rolle.

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Wie entwickelt sich eine eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra)?

Während der Östrus-Phase ist der Muttermund (Zervix) leicht geöffnet, um bei einem möglichen Deckakt die Spermien aufzunehmen. Durch den geöffneten Muttermund (Zervix) können aber auch Erreger, vorranging E. coli Bakterien in die Gebärmutter gelangen. Genauso ist auch eine Erregerausbreitung über den Blutkreislauf (hämatogen) möglich.
In der Phase des Diöstrus wird nun vorrangig Progesteron gebildet. Durch dieses Hormon wird zum einen Schleim gebildet und zum anderen die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) insgesamt dicker, gleichzeitig nimmt die Kontraktilität (das Zusammenziehen der Muskulatur) ab.
Außerdem wird die Abwehrfähigkeit der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) herabgesetzt, was wiederum das Wachstum der Bakterien begünstigt.
Diese Effekte verstärken sich bei jeder Läufigkeit.

2 bis 4 Wochen nach dem Läufigkeitsende sinken die Progesteronwerte ab, wodurch sich der Schleimpfropf der sich im Bereich des Muttermundes befindet, lockert und der eitrige Inhalt kann abfließen. Dies kann sowohl phasenweise oder kontinuierlich erfolgen.
Hat die Hündin ein gutes Immunsystem und die Erreger sind nicht so aggressiv, kann so eine eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra) auch vollständig von alleine ausheilen. Jedoch muss damit gerechnet werden, dass im nächsten Zyklus wieder eine eitrige Gebärmutterentzündung entsteht.

Man unterscheidet zwei Formen der eitrigen Gebärmutterentzündung (Pyometra):

Die geschlossene Form, bei der kein Eiter abfließen kann und die offene Form, bei der eitriger Scheidenausfluss erkennbar ist.

So ist die geschlossene Form besonders gefährlich, da kein vaginaler Ausfluss für den Tierhalter sichtbar ist und die Gefahr einer Ruptur „zerreißen der Gebärmutter“ besteht.

Was ist die Gefahr bei einer eitrigen Gebärmutterentzündung?

Die durch Bakterien gebildeten Erreger und Toxine können sich aus der Gebärmutter, sowohl über den Blutkreislauf als auch über das Lymphsystem auf alle anderen Organe ausbreiten und zu einer Sepsis und damit zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung führen.
Bei einer geschlossenen Form der eitrigen Gebärmutterentzündung kann der eitrige Inhalt wegen dem geschlossenen Muttermund nicht abfließen und somit entsteht die Gefahr, dass die Gebärmutter „zerreißt“ (rupturiert) und so die gesamte Bauchhöhle mit dem eitrigen Sekret und den Bakterien/ Toxinen kontaminiert wird.

Dies ist ein absoluter Notfall, da es in kürzester Zeit zu einem septischen Schock und damit zum Tod kommt. Daneben besteht die Möglichkeit, dass Toxine und Bakterien retrograd (entgegen der normalen Ausbreitung) über die Eileiter (tuba uterina) in die Bauchhöhle gelangen. Außerdem kann auch eine Ulzeration der Gebärmutterwand zum Erregerausritt führen.

All diese Fälle sind ein absoluter Notfall und bedürfen einer sofortigen tierärztlichen Behandlung.

Was sind die häufigsten Symptome einer eitrigen Gebärmutterentzündung?

Die folgenden Symptome sind nach ihrer Häufigkeit sortiert.

  • Reduziertes Allgemeinbefinden/ Apathie
  • Eitriger Ausfluss aus der Scheide
  • Vermehrte(r) Durst/ Wasseraufnahme (Polydipsie)
  • Appetitmangel bis hin zur kompletten Futterverweigerung

Beachtet werden sollte, dass diese Symptome vorrangig zwischen 2 Wochen und 4 Monate nach der Läufigkeit auftreten. Aber grundsätzlich kann eine eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra) in allen Zyklusstadien oder nach einer Hormonbehandlung auftreten.

Was wird beim Tierarzt beim Verdacht einer eitrigen Gebärmutterentzündung gemacht?

In der Regel wird die Hündin mit recht unspezifischen Symptomen vorgestellt.

Am häufigsten wegen einem beeinträchtigten Allgemeinbefinden, Lethargie (ausgeprägte Schläfrigkeit, Bewusstsein z. T. gestört), Appetitmangel und einem vermehrten Trinkverhalten und entsprechend vermehrtem Urinabsatz, auch kann der Bauchumfang deutlich zugenommen haben.

Bei der Allgemeinuntersuchung der Hündin kann zumeist ein reduziertes Allgemeinbefinden festgestellt werden, Fieber ist selten. Vaginalausfluss kann vorhanden sein. Dieser kann schleimig, eitrig, eitrig-blutig und rein blutig sein.

Bei jeglichem Vaginalausfluss sollte eine eitrige Gebärmutterentzündung differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden.

Vor allem wenn die Hündin weitere der oben genannten Symptome zeigt.
Weitere Ursachen eines Vaginalausflusses könnten:

  • Vaginitis (Entzündung der Scheide)
  • Östrus
  • Metritis (Entzündung der Muskulatur der Gebärmutter)
  • Rattengiftintoxikation (rein blutiger Ausfluss)
  • Immunvermittelte Thrombozytopenie (rein blutiger Ausfluss)

Des Weiteren kann durch eine Ultraschalluntersuchung die Ausdehnung der Gebärmutter, sein Füllungszustand, die Wanddicke und -beschaffenheit, sowie Hinweise auf proliferative (wuchernde) Prozesse erfasst werden.

In einer Röntgenuntersuchung kann typischerweise ein flüssigkeitsgefülltes, schlauchförmiges Organ im mittleren Bauchraum nachgewiesen werden. Wenn auch die Ultraschalluntersuchung das Röntgen als wichtiges Hilfsmittel zur Diagnose einer eitrigen Gebärmutterentzündung abgelöst hat, können im Röntgen wertvolle Hinweise auf begleitende Erkrankungen, wie z. B. Fremdkörper oder Hinweise auf Herzveränderungen, Lungenerkrankungen erkannt werden.

Auch die Durchführung einer Laboruntersuchung ist beim Vorliegen einer eitrigen Gebärmutterentzündung sinnvoll. Denn Hündinnen mit dieser Erkrankung haben normalerweise eine Leukozytose (Erhöhung der weißen Blutkörperchen), eine Hyperproteinämie und eine Hyperglobulinämie. Eine Erniedrigung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie) gilt als Hinweis für die Entstehung einer Peritonitis (Bauchfellentzündung).

Welche Therapieoptionen gibt es?

Die Behandlung der Wahl für jede ältere oder kranke Hündin sowie bei einer geschlossenen Pyometra ist die Chirurgie und zwar als Ovariohysterektomie (operative Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken). Diese Therapiemöglichkeit wird am häufigsten durchgeführt.
Neben dem operativen Entfernen von Gebärmutter und Eierstöcken, kann in einigen Fällen auch eine konservative Therapie versucht werden. Hier werden verschiedene Medikamente, wie Breitspektrumantibiotikum, Agleprisone, Prostaglandin F2 α oder Cabergolin werden eingesetzt.

Ein Breitbandantibiotikum sollte stets wegen der Gefahr einer Sepsis verabreicht werden. Hierzu sollten vorab ein Antibiogramm und ein Resistenztest durchgeführt werden. Auf dessen Ergebnisse wird anschließend das richtige Antibiotikum gewählt.

Aglepristone blockiert die Progesteronrezeptoren. Durch die Wirkung dieses Medikamentes öffnet sich der Muttermund und die Muskulatur der Gebärmutter kann sich kontrahieren (zusammenziehen).

Prostaglandin F2 α bewirkt einerseits starke Gebärmutterkontraktionen und eine Luteolyse (Abbau des Gelbkörpers). Beachtet werden muss jedoch, in den Fällen wo der Abfluss aus der Gebärmutter durch einen geschlossenen Muttermund verhindert wird, besteht die Gefahr einer Ruptur der Gebärmutter. Alternativ zum Prostaglandin F2 α kann auch Cabergoiln in Betracht gezogen werden. Auch dieses Medikament bewirkt eine Luteolyse, jedoch deutlich langsamer als durch Prostaglandin induziert. Im Gegensatz zu Prostaglandin F2 α fehlt die starke Gebärmutterkontrahierende Wirkung.

Als dritte Möglichkeit wird eine „transzervikale endoskopische Katheterisierungs-Technik (TEKT) beschrieben. Sinn dieses Verfahrens ist es, die Gebärmutter zu spülen und den Eiter zu entfernen. Gleichzeit appliziert man einige Medikamente direkt in die Gebärmutter. Die Gefahr bei diesem Verfahren ist die mögliche Perforation der Gebärmutter mit folgender Peritonitis und Sepsis. So sollte der Nutzen und die Risiken gut abgewogen werden.

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Mein Fazit

Gerade wegen der Tatsache, dass die eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra) zu den häufigsten Notfällen in der Tierarztpraxis gehörenn, sollte jeder Hundebesitzer mehr über dieses Krankheitsbild wissen.

Wenn deine Hündin ein vaginalen Ausfluss zeigt oder Symptome, wie oben beschrieben, sollte immer eine Tierarztpraxis oder Tierklinik zur weiteren Abklärung aufgesucht werden.

Hast du bereits Erfahrung mit einer eitrigen Gebärmutterentzündung gemacht?


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