Getreide hat im Hundebereich einen ganz schlechten Ruf: “Billger Füllstoff” oder “ungesund für Hunde” sind Sätze die man als Hundehalter häufig liest.
Und natürlich werben auch viele Hersteller mit Slogans wie “Getreidefrei” oder “kein Zusatz von Getreide” aber weißt du genau, warum du deinem Hund kein Getreide füttern solltest und warum es “schlecht” für deinen Hund sein soll?

Genau diese Fragen möchte ich heute mit dir klären.
Aber fangen wir ganz am Anfang an:

Was ist Getreide überhaupt?

Typisches Getreide besteht im Durchschnitt aus ca. 60-80 % Stärke und daneben aus Eiweiß, Fett und Nährstoffen wie Eisen, Kalium, Mangan, Vitamin E etc.
Einige Getreidesorten enthalten außerdem Gluten, der auch als Klebereiweiß bezeichnet wird.
Stärke wiederum ist ein Mehrfachzucker, also ein Kohlenhydrat und liefert damit in erster Linie Energie. Somit besteht Getreide also hauptsächlich aus Kohlenhydraten, die im Hundekörper durch das Enzym „Amylase“, welches in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, abgebaut werden.

Kann mein Hund Kohlenhydrate überhaupt verwerten?

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Hunde leben schon sehr, sehr lange dicht mit dem Menschen zusammen.
Fossilienfunde beweisen, dass bereits 33.000 v. Chr. eine Beziehung zwischen Hund und Mensch herrschte.
Während dieser Zeit passte sich der Hund immer weiter dem Menschen an und entwickelte die Fähigkeit Kohlenhydrate zu nutzen.
Denn gerade in der früheren Zeit spielte die Ernährung durch Getreide eine wichtige Rolle. Fleisch war etwas besonderes, teuer und wertvoll. Nicht ohne Grund kennen wir alle heute noch den Begriff „Sonntagsbraten“.
Was werden da wohl die Hunde gefressen haben? Wenn selbst für die Menschen Fleisch wertvoll war…

Hunde sind in erster Linie Allesfresser, die eine hohe Anpassungsfähigkeit besitzen.

Eine Forschungsgruppe aus Schweden lieferte 2013 den Beweis und wiesen die genetischen Anpassungen der Stärkeverdauung  von Hunden nach.

Zusammenfassend kann man sagen Hunde sind auf Grund ihrer Anpassungsfähigkeit sehr gut in der Lage Kohlenhydrate zu verdauen.

Aber Getreide verursacht Allergien beim Hund

Auch diesen Satz hört man sehr, sehr häufig. Ich möchte dir zeigen, dass das so nicht ganz korrekt ist.

Bei einer Allergie handelt es sich um eine komplexe Erkrankung, in der das Immunsystem einen an sich harmlosen Stoff als fremd wahrnimmt und diesen „bekämpft“.

In einer Studie (2009) wurden die Allergie-auslösenden Substanzen näher ausgewertet und heraus kam, dass vor allem Eiweiße Allergien auslösen. Allergien gegen Kohlenhydrate oder Mineralien (Zusätze) sind sehr selten.


Im folgenden sind die häufigsten Allergieauslöser (Eiweiße) nach Häufigkeit aufgelistet:

  1. Rind
  2. Getreide
  3.  Reis
  4. Huhn
  5. Milchprodukte

Getreide ist also an sich nicht allergieauslösender als andere Lebensmittel. Vielmehr ist es so, dass in den Fertigfuttermitteln Getreide mit am häufigsten enthalten ist und somit ist auch die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass sich Allergien dagegen bilden.

Abzuwarten bleibt zum Beispiel wie sich das allergene Potential gegenüber Pferd entwickelt, da es zunehmend in den Fertigfuttermitteln eingesetzt wird.
Wenn man bedenkt, dass man früher als Allergiefutter „Reis und Lamm“ empfohlen hat und das es nach der Studie auf Platz 3 der allergierauslösenden Stoffe steht bzw. auf Platz 6 (Lamm), kann man das aus heutiger Sicht nicht mehr empfehlen.

Das Gluten im Getreide ist schädlich für meinen Hund

Seit einiger Zeit lese ich vermehrt, man soll unbedingt auf Gluten verzichten, da es das Risiko einer Allergieentwicklung/ Unverträglichkeit deutlich erhöht.

Grundsätzlich bezeichnet man als Gluten den Klebereiweiß, der es uns ermöglicht einen Teig zu kneten und zu formen.
Das Gluten Allergien beim Hund auslöst, ist definitiv falsch. Sowohl beim Menschen (Zöliakie) als auch bei den Hunden sind Unverträglichkeiten gegenüber Gluten sehr selten.
Lediglich beim Irish Setter gibt es eine genetische Erkrankung die vergleichbar ist.

Ob du deinem Hund glutenhaltiges Getreide füttern möchtest, ist also reine Geschmacksache. Es hat aber definitiv keine gesundheitlichen Nachteile.

Getreide verursacht Krebs

Dieser Mythos entstammt wahrscheinlich einem Missverständnis. Fakt ist, dass Hunde die an Krebs erkrankt sind, kohlenhydratarm ernährt werden sollten, da sich Tumorzellen hauptsächlich von Stärke ernähren.
Falsch ist dagegen die Annahme, dass Kohlenhydrate auch Krebs verursacht. Die Entstehung von Krebs ist auf viele andere Faktoren zurückzuführen, wie z. B. Umwelteinflüsse, individuelle Veranlagungen, Alter und sicherlich auch eine ungesunde Ernährung an sich.

Durch Getreide bekommt mein Hund Karies

Anders als bei uns Menschen, besitzt der Speichel des Hundes keine Amylase, sodass die Aufspaltung der Kohlenhydrate erst im Dünndarm stattfindet und nicht bereits in der Maulhöhle des Hundes.
Somit sind Kohlenhydrate nicht schuld am Karies, sondern vielmehr ist es Zucker (Glucose) der zusammen mit Bakterien zu den Zahnablagerungen führt.

Das getreidefreie“ Futter – Die Lösung?

Wie bereits beschrieben, besteht Getreide vorrangig aus Stärke und somit aus Kohlenhydraten.

Doch nicht nur Getreide besteht aus Kohlenhydraten sondern auch Kartoffeln, Süßkartoffeln, Nudeln, Reis oder Topinampur.

Und auch Hülsenfrüchte, wie Erbsen, Bohnen oder Linsen enthalten, wenn auch im geringeren Ausmaße, Kohlenhydrate und werden neuerdings gerne in der Hundeernährung eingesetzt.

Ich habe für euch mal zwei getreidefreie Futtermittel unter die Lupe genommen.
Die Produkte bleiben natürlich anonym.

  1. Produkt: sensitive Futter mit einer Proteinquelle, Getreidefrei

Kartoffelflocken* (48%), Straußenprotein* (18%), Kartoffelprotein*, Sonnenblumenöl, Leberhydrolisat, Apfeltrester* (0,8%), Rapsöl, Meersalz, Hefe (extrahiert)*

Fazit: Wie oben schon beschrieben kommen hier zwar keine klassischen Getreidesorten, wie Hafer, Mais oder Weizen zum Einsatz aber auch hier wird eine Kohlenhydratquelle genutzt und zwar Kartoffeln.
Diese bestehen genauso wie klassische Getreidesorten hauptsächlich aus Stärke und damit aus Kohlenhydraten.

  1. Produkt: sensitive Futter mit einer Proteinquelle, Getreidefrei
    Geflügelprotein (getrocknet), Erbsenmehl, Süßkartoffel, Geflügelfett, hydrolysiertes Geflügelprotein, Mineralstoffe, Hefe, Apfelfaser, Chicorée-Wurzel (gemahlen, natürliche Quelle von Inulin), getrocknetes Fleisch der Neuseeländischen Grünlippmuschel (Perna canaliculus)

Fazit: Auch hier werden Kohlenhydrate eingesetzt in Form von Süßkartoffel sowie Erbsenmehl verwendet.

 

Es stellt sich also die Frage, warum Getreide als Kohlenhydratspender in der Hundeernährung abgelehnt wird aber Kartoffeln und Co. die ebenfalls hauptsächlich Kohlenhydrate liefern, völlig okay sind?

Ich habe grundsätzlich nichts gegen getreidefreies Futter.
Meiner Meinung nach wird ein Futter jedoch nicht gut oder hochwertig nur weil es keine klassischen Getreidesorten enthält. Wenn du dir also nicht sicher bist, ob du deinem Hund Getreide füttern solltest, möchte ich, dass du weißt, dass es aus ernährungsphysiologischer Sicht völlig okay ist, Deinem Hund Getreide zu verfüttern und in manchen Fällen auch überaus sinnvoll!

Ernährungsberatung für Hunde

Hinweise zur Getreide – Zubereitung & Gluten-freies Getreide

Wenn Du Getreide in den Speiseplan Deines Hundes einsetzen möchtest, dann solltest du diese nie roh verfüttern.

Kartoffeln, Reis, Nudeln und Getreide müssen vor dem Verfüttern stets gekocht werden, denn nur so sind die Kohlenhydrate für den Hund nutzbar.

Idealerweise sollte man es sogar ca. 10 Minuten länger kochen lassen, da es so noch verdaulicher wird für den Hund.

Benutzt Du Flocken oder gepopptes Getreide reicht es, diese im heißen Wasser quellen zu lassen.
Haferflocken können sogar roh verfüttert werden.

Wie schon oben geschrieben, gibt es eigentlich keine Vorteile gluten-freie Getreidesorten zu verfüttern, möchtest du dies dennoch tun, habe ich dir hier die gluten-freien Getreidesorten aufgelistet:

  • Amaranth
  • Buchweizen
  • Hirse
  • Kartoffeln
  • Mais
  • Reis
  • Süßkartoffeln
  • Tapioka
  • Quinoa

Wann ist es sinnvoll seinem Hund Kohlenhydrate zu füttern?

  1. Gerade Hunde die aktiv im Sport eingesetzt werden, Arbeitshunde, trächtige und säugende Hündinnen haben einen erhöhten Energiebedarf, den man gut mit Kohlenhydraten decken kann.
    Kohlenhydrate liefern dem Hund schnell Energie.
  2. Manche Hunde leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten und sind sehr aufgedreht, auch hier können Kohlenhydrate helfen. Denn gerade das Gehirn braucht Kohlenhydrate um richtig arbeiten zu können.
  3. Hunde die Schwierigkeiten haben zuzunehmen sollten auch Kohlenhydrate bekommen. Da diese die Energiequelle Nummer eins darstellen. Der Körper nutzt immer zuerst Kohlenhydrate und erst wenn diese aufgebraucht sind, greift er andere Energiereserven an. Aus diesem Grund sollten Hunde die ihr Gewicht schlecht halten können und tendenziell immer zu dünn sind, Kohlenhydrate erhalten.
  4. Wenn dein Hund unter einer Nierenerkrankung oder einer Leberschwäche leidet, sollte er auch Kohlenhydrate erhalten, denn dadurch werden die Nieren und Leber entlastet.
  5. Manche Hunde vertragen sehr fleischlastige Futterrationen nicht. Sie können davon Blähungen und/ oder Durchfall bekommen. Man nennt das auch Dysbiose. In diesem Fällen erfolgt die Eiweißverdauung nicht nur im Dünndarm sondern auch im Dickdarm durch die Mikroorganismen und durch diesen Abbau entstehen unter anderem Gase, die wir dann als Blähungen wahrnehmen.
    Auch in diesem Fällen ist es ratsam dem Hund Kohlenhydrate zu zufüttern und den Proteingehalt zu senken.
  6. Das gleiche gilt bei Hunden die unter Sodbrennen, vermehrtem Schmatzen oder Aufstoßen leiden. Diese Überproduktion der Magensäure kann durch Kohlenhydraten gemildert werden.

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