Welcher Hundebesitzer kennt es nicht: Durchfall, auch Diarrhö genannt. Es gehört mit zu den häufigsten Gründen warum der Tierarzt aufgesucht wird. Aber gerade bei akut auftretenden Durchfällen kann man als Besitzer vieles Zuhause machen, damit es dem Hund bald wieder besser geht.

Gründe, warum Dein Hund unter Durchfall leidet

Durchfall selbst ist keine eigenständige Erkrankung, sondern lediglich ein Symptom.
Sie tritt bei fast jeder leichten bis schweren Verdauungsstörung als Begleiterscheinung auf. So sind verschiedene Ursachen möglich.

Die häufigsten habe ich hier mal aufgelistet:

  • Bestimmte Futtermittelbestandteile, Futtermittelintoleranz, Allergien
  • Giftstoffe aus dem Futter wie Schimmel/ verdorbenes Futter
  • Stress
  • Überanstrengung

Seltener:

  • Chronische Darmveränderungen
  • Bauchspeicheldrüsenkrankheiten
  • Darmparasiten
  • Infektionen mit Bakterien und Viren
  • Medikamente
  • Stoffwechselkrankheiten (z. B. Morbus Addison)
  • Vergiftungen

Akuter Durchfall – diese Sofortmaßnahmen helfen Deinem Hund

Bei einem erwachsenen Hund, der ansonsten völlig gesund ist, kann eine Nüchternphase von 6-12 Stunden eingelegt werden. In dieser Phase solltest Du Deinem Hund lediglich Wasser und Morosche Karottensuppe anbieten. Danach kannst Du Deinen Hund langsam wieder mit einer leicht verdaulichen Schonkost anfüttern. Biete hierzu Deinem Hund lieber mehrere, kleine Portionen an als eine oder zwei Große.
Nach etwa 3-5 Tagen wird das normale Futter schrittweise untergemischt. Nach etwa 7-10 Tagen sollte man wieder zur normalen Fütterung zurückgekehrt werden.

Da nur selten bakterielle Erreger Auslöser für Durchfälle sind, ist die Gabe eines Antibiotikums in der Regel nicht notwendig und gehört nicht zur anfänglichen Behandlung.

Nüchtern oder nicht?

Ja, da gehen die Meinungen tatsächlich auseinander.
Die einen vertreten die Meinung, dass man seinen Hund möglichst 24 Stunden nüchtern lassen sollte, damit der Darm Zeit hat zur Ruhe zu kommen. Die anderen sagen, sofern der Hund kein Erbrechen zeigt, sollte sofort mit der Schonkost begonnen werden, um Schäden an der Darmschleimhaut zu vermeiden.

Fakt ist, dass die Zellen der Darmepithels durch Nährstoffe der Nahrung versorgt werden. Bereits nach 24 Stunden Nüchternheit sind mikroskopische Veränderungen an der Darmschleimhaut feststellbar. Deshalb sollten Hunde auch nicht länger als maximal 24 Stunden nüchtern gelassen werden. Gerade jüngere oder kleinere Hunde sollten schon früher wieder mit Nährstoffe versorgt werden, um vom eine Schädigung des Darmepithels vorzubeugen.

Zusätzlich sind pflanzliche Faserstoffe sehr hilfreich für die Darmgesundheit, da sie den guten Bakterien als Nahrung dienen. Geriebener Apfel oder Möhre (idealerweise leicht angedünstet, verbessert die Verdaulichkeit), Jogurt, Kleie, Flohsamenschalen, Leinsamen oder Morosche Karottennsuppe.

Ich finde daher einen Mittelweg von 6-12 Stunden ideal. In Dieser Zeit sollte der Hund jedoch Wasser und Morosche Möhrensuppe erhalten.

Wie sollte die Schonkost aussehen?

Ideal ist eine hochverdauliche Schonkost.
Gekochtes Hühnchen oder Hüttenkäse mit Reis eignen sich am ehesten.

Kocht man Reis für den Hund sollte er immer etwa 15 Minuten länger gekocht werden als für Dich. Somit ist er für den Hund leichter zu verdauen.

Die Morosche Karottennsuppe – ein wahreres Wundermittel

Erfunden wurde diese Möhrensuppe 1908 vom Prof. Dr. Ernst Moro. Durch diese Suppe konnte er die Kindersterblichkeit bei Durchfällen um 50 % senken.

Die Morosche Karottensuppe ist geeignet um Durchfälle und Blähungen zu behandeln. Da sie präbiotische Inhaltsstoffe hat, eignet sie sich auch bei Krankheiten einzusetzen, die mit dem Darm assoziiert sind (z. B. IBD, Giardien, Blähungen etc.).
Die Suppe kann auch auf Vorrat gekocht und anschließend eingefroren werden (z. B. Eiswürfebehälter)

Durch die lange Kochzeit werden die für Fleischfresser schwer verdaulichen Inhaltsstoffe gut aufgeschlossen und spezielle Zuckermoleküle (Oligosaccharide) entstehen. Diese wiederum heften sich an die Darmwand und blockieren so die Andockstellen für schädliche Bakterien.

Die enthaltende Glucose und Saccharose ermöglicht eine optimale Natrium- und Wasseraufnahme im Dünndarm. Ebenfalls enthält die Suppe geringe Mengen an Phosphat, Calcium, Schwefel und Magnesium. Das in den Karotten enthaltende Pektin beruhigt die Darmzellwände und dient den guten Baktieren als Nahrung.

Auch bei einem Befall mit Giardien kann die Morosche Karottensuppe super eingesetzt werden. Es gibt zwar bisher noch einen wissenschaftlichen Studien die einen Erfolg belegen. Aber die vielen positiven Rückmeldungen unserer Hundehalter sprechen für sich.

Morosche Karottensuppe - Rezept

Wenn Dein Hund das zeigt – Solltest Du einen Tierarzt aufsuchen

Wenn Du noch einen Welpen mit Durchfall hast, solltest Du sofort einen Tierarzt aufsuchen, da der Flüssigkeitsverlust bei einem Welpen schnell gefährlich werden kann. Auch Hunde unter 5 kg Körpergewicht sind besonders gefährdet.

Ebenfalls solltest Du Deinen Tierarzt aufsuchen, wenn Dein Hund blutigen Durchfall, Bauchschmerzen oder Koliksymptome zeigt oder sehr unruhig wirk und sich nicht hinlegen will. Auch wenn Dein Hund apathisch wirkt, gleichzeitig erbricht, Fieber hat, kein Futter mehr annimmt oder Dein Hund Zeichen einer Austrocknung zeigt, solltest Du Deinen Tierarzt um Rat fragen.

So kannst Du feststellen wie der Flüssigkeitshaushalt Deines Hundes ist

Schau dafür Deinem Hund ins Maul. Wie fühlt sich die Maulschleimhaut an? Feucht? Dann ist alles in Ordnung.
Fühlt sich die Maulschleimhaut jedoch pappig oder klebrig an, ist das ein Hinweis das Deinem Hund Flüssigkeit fehlt. 
Ebenso kannst Du eine Hautfalte am Hals oder Rücken hochziehen. Eine langsam verstreichende oder gar bestehen bleibende Hautfalte deutet auf eine Austrocknung (Dehydratation) hin.

Wasser ist das A und O

Hunde die unter Durchfall leiden, sollten ausreichend frisches Wasser erhalten. Um den Elektrolyhaushalt auszugleichen, kann dem Wasser (500 ml) eine Prise Salz und etwa ein halber Teelöffel Zucker zugeben werden. Dies erhöht außerdem die Regenerationsfähigkeit der Darmschleimhaut. Alternativ kann die Wasseraufnahme auch gesteigert werden indem man etwas Fleischbrühe (nur wenig Salz) ins Trinkwasser mischt oder etwas Nassfutter darin auflöst.

Welpen und Durchfall

Welpen sind besonders empfindlich wenn es um den Flüssigkeitshaushalt geht. Infolgedessen trocken sie schnell aus. Deshalb sollte ein Welpe (bis zur 20. Lebenswoche) der unter starkem Durchfall leidet immer dem Tierarzt vorgestellt werden.

Starker Durchfall ist:

  • blutiger Durchfall
  • wässriger Durchfall mehrmals auftretend
  • Durchfall und Erbrechen zusammen auftretend

Beachte bitte auch: Ein Welpe sollte niemals nüchtern gelassen werden!

Vorsicht bei Imodium

Häufig liest man im Internet den Tipp: Gib Deinem Hund einfach eine Imodium von Dir.

Dieser Tipp kann bei manchen Hunden sogar tödlich enden.
Einige Hunde bestimmter Rassen (Collie und colliartige Rassen, Whippet, Wäller, weißer Schäferhund etc.) können unter dem sogenannten MDR 1 Gendeffekt leiden. Durch diesen Defekt die die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger für manchen Medikamente als bei anderen Hunden. Bei diesem Hunden kommt es zu einer hohen Konzentration des Medikamentes im Gehirn. Dies kann sogar tödlich enden.
Man kann seinen Hund auf diesen Gendefekt testen lassen.

Hat man jedoch einen Hund, der zu den oben genannten Rassen gehört und man weiß nicht, wie der aktuelle MDR 1 Statuts ist, sollte man besser die Finger von Imodium lassen.

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Gutes für eine gesunde Darmflora

Gerade wenn Dein Hund häufig unter Durchfall leidet, blutigen Durchfall hatte oder Antibiotika erhielt, solltest Du die Darmflora Deines Hundes wieder aufbauen. Da es infolge des Durchfalls zu Schäden an den Darmwänden kam und die Bakterienflora sich verändert hat.
Hierfür eignen sich Pro- und Präbiotika.

Als Probiotika werden oral aufgenommene Mikroorganismen bezeichnet, die eine gesundheitsförderliche Wirkung haben sollen.

Präbiotka sind Substanzen die den guten Bakterien als Nahrung dienen. So fördert man den Aufbau der guten Bakterien und verdrängt die „schlechten“.
Typische Präbiotka sind Pektin (in Apfel und Möhre enthalten), Inulin (in Chicorée oder Artischocke enthalten), Lactulose und Fructo-Oligosaccharide (FOS).

Als Synbiotikum bezeichnet man ein Präparat, dass sowohl Prä- als auch Probitika enthält.


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