In meinem heutigen Artikel geht es um die Verdauung des Hundes. Ich erkläre dir wie der Magendarmtrakt aufgebaut ist und wie die Verdauung des Hundes im Einzelnen funktioniert.

Mich erreichen wöchentlich zahlreiche Anfragen zu Fütterungs- oder Verdauungsproblemen, sodass ich es sinnvoll finde, wenn man mehr über die anatomischen und physiologischen Funktionen des Verdauungstakts weiß.

Die Verdauung des Hundes – Der anatomische Aufbau und die Physiologie des Magendarmtraktes beim Hund

Die Maulhöhle und Rachen

Alles beginnt in der Maulhöhle des Hundes. Diese wird begrenzt durch

  • Zähne
  • Zunge
  • Schlundkopf

Die Zungenoberfläche besteht aus den Geschmacksknospen mit denen unterschiedliche Geschmacksrichtungen wahrgenommen werden.
Der Speichel wird in den Speicheldrüsen gebildet und dient ausschließlich der Weiterbeförderung und Befeuchtung. Es sind keine Verdauungsenzyme enthalten!

Die Speiseröhre

Die Speiseröhre verbindet die Maulhöhle mit dem Magen und besteht aus Muskulatur. Durch Nervenreize wird diese Muskulatur rhythmisch an- und entspannt, sodass sich die Futterbestandteile Richtung Magen bewegen.
Man bezeichnet das auch als Peristaltik.

Der Magen – Der erste Schritt zur Verdauung

Im Magen wird mit den ersten Schritten der Verdauung begonnen. Der Magen besitzt zahlreiche unterschiedliche Drüsen, die verschiedene Flüssigkeiten, wie Schleimstoffe und Magensäure produzieren.
Die Magensäure enthält unter anderen das Enzym Pepsin. Das wiederum spaltet Proteine und wirkt am besten wenn der ph Wert in einem sauren Bereich liegt. Im Magen findet also vorangig die erste Proteinspaltung statt. Daneben wird auch schon mit der Fettverdauung gestartet.
Der niedrige pH-Wert tötet außerdem Bakterien und weitere, mit dem Futter aufgenommene, Mikroorganismen ab.
Ist der ph Wert durch Krankheiten oder äußerliche Einflüsse erhöht, kann Pepsin nicht so gut arbeiten und die Proteinverdauung ist eingeschränkt.

Der Magen selbst ist überaus dehnbar und hat ein Fassungsvermögen von bis zu 8 Liter (je nach Größe des Hundes).

Die Muskulatur des Magens sorgt für eine gute Durchmischung der Futterbestandteile und für den Weitertransport des Futterbreis in den Dünndarm. Stark zerkleinerte Nahrungsbestandteile und Proteine werden schnell weitertransportiert, während bindegewebsreiche und fettreiche Komponenten länger im Magen verweilen.

Der Dünndarm – Hier ist die Verdauung des Hundes im vollen Gange

Die eigentliche Verdauung des Hundes beginnt hier – im Dünndarm. Er macht den längten Teil des Verdauungssystems aus und kann in verschiedene Abschnitte unterteilt werden.

  • Zwölffingerdarm (Duodenum)
  • Leerdarm (Jejunum)
  • Krummdarm (Ileum)

Eine Besonderheit bildet die Schleimhaut des Dünndarms. Denn sie bildet zahlreiche Zotten und Vertiefungen, so wird die Resorptionsfläche enorm vergrößert.
Im Dünndarm wird der Nahrungsbrei so stark zerkleinert, dass die Nährstoffe hervorragend über die Zellen der Darmschleimhaut aufgenommen werden können. Dafür gibt es unterschiedliche Mechanismen, je nachdem ob es sich um Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Mineralstoffe etc. handelt.

Die Proteinverdauung

Im Dünndarm findet die Proteinverdauung statt. Diese kommen bereits vorverdaut aus dem Magen in den Dünndarm und werden durch verschiedene Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse weiter aufgeschlossen. Die entstehenden Aminosäuren werden anschließend über verschiedene Transportsysteme vom Körper aufgenommen. Hochverdauliche Proteine (Muskelfleisch) werden zu über 90% im Dünndarm resorbiert.

Die Verdauung der Kohlenhydrate

Die Verdauung der Kohlenhydrate beginnt erst im Dünndarm. Dafür werden die einzelnen Komponten in Glucose (Zucker) zerlegt und werden anschließend von den Zellen resprbiert.

Die Fettverdauung

Fette, die hauptsächlich als Triglyceride vorliegen, werden mit Hilfe von Gallensäuren vermischt und anschließend zu Monoglyceriden und Fettsäuren abgebaut. Diese können so per Diffusion von den Zellen aufgenommen werden. Die Gallensäuren werden anschließend wieder recycelt und gelangen wieder in die Gallenblase.
Fette haben einer Verdaulichkeit von 90 % und werden sehr effektiv aufgenommen.

Die Resorption von Mineralien unf Vitaminen

Mineralstoffe werden hauptsächlich im Dünndarm, z.T. aber auch im Dickdarm resorbiert.

Fettlösliche Vitamine (A, D, E und K) werden nur zusammen mit Fett aufgenommen. Wasserlösliche Vitamine werden im Dünndarm augenommen.

Außerdem wird ein Großteil des Wassers bereits im Dünndarm resorbiert.

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Der Dickdarm – Eine gesunde Mikroflora ist das A und O

Der Dickdarm des Hundes ist im vergleich zu den Pflanzenfressern eher einfach aufgebaut und lässt sich in drei Abschnitte unterteilen:

  • Der Blinddarm (Caecum)
  • Der Grimmdarm (Kolon)
  • Der Mastdarm (Rektum)

Im Dickdarm werden vorrangig pflanzliche Nahrungsbestandteile zersetzt. Außerdem findet hier Wasserresorption und damit die Koteindickung statt.

Die pflanzlichen Faserstoffe werden unter Bildung kurzkettiger Fettsäuren abgebaut, die wiederrum Energie für die Darmbakterien liefern.

Der Darmkanal selbst ist immer von Darmbakterien besiedelt. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Bakterien, Protozoen (Einzeller) und Pilzen. Die Zusammensetzung der Mikrooganismen ist stark abhängig von Nahrungszusammensetzung, Proteinqualität, Proteinmenge, Fasergehalt und vielem mehr.

Unter physiologischen Bedingungen hat die Mikroflora ein stabiles Gleichgewicht mit dem Wirtsorganismus und unterstützt ihn bei der Verdauung.

Die im Dünndarm entstandenen Abbaustoffe (Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Amine) gelangen in den Dickdarm und werden mit dem Kot ausgeschieden.
Weiterhin findet hier die Wasserresorption statt und somit die Koteindickung.

Der Kot wird anschließend bis zum nächten Gassigang im Rektum gespeichert.

Die Verdauung des Hundes, www.vet-dogs.de
Die Verdauung des Hundes

Der Verdauungstrakt hat ein eigenes Immunsystem

Der Verdauungstrakt des Hundes hat ein eigenes Immunsystem – die sogenannten Peyerschen Platten im Ileum. Dieses Immunsystem schützt den Darm einerseits gegen krankmachende Bakterien und schädliche Umwelteinflüssen und zum anderen sorgt es für eine immunologische Toleranz. Das bedeutet, dass bestimmte, mit dem Futter aufgenommene Antigene und die physiologische Darmflora von dem Immunsystem toleriert werden. Wenn hier eine Störung vorliegt, können sich beispielsweise Allergien entwickeln.

Die Leber und Bauchspeicheldrüse – Wichtige Helfer bei der Verdauung des Hundes

Die Leber und Bauchspeicheldrüse sind Anhangsdrüsen des Verdauungstrakts und für die Verdauung des Hundes essentiell.

Die Leber (Hepar) bildet unter anderem die Galle, die für die Fettverdauung essentiell ist.

Bei der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) unterscheidet man zwischen dem exokrinen und der endokrinen Pankreas. Das exokrine Pankreas bildet ein Sekret, dass einerseits viel Bikarbonat enthält und somit die Magensäure abpuffert und andererseits viele verschiedene Verdauungsenzyme, durch die eine effektive Verdauung erst möglich wird.

Die Verdauung des Hundes ist gleichermaßen interessant wie komplex. Faszinierend wie viele Komponeten Hand in Hand arbeiten, um jegliche Futterbestandteile in ihre Einzelteile zu zerlegen und daraus letztenendlich Energie und Baustoffe zu erhalten.

Doch manchmal läuft die Verdauung des Hundes nicht so perfekt ab. Durchfall, Blähungen, große Kotmengen, gehäufter Kotabsatz können einige dieser Probleme sein. Bei leichten Verdauungsproblemen, kann man als Hundebesitzer aktiv werden und versuchen, die Darmflora wieder in ein  Gleichgewicht zu bringen.

Wie kann ich die Verdauung des Hundes positiv beeinflußen?

Präbiotika

Bestimmte Futterbestandteile fördern eine gute Darmgesundheit – sogenannte Präbiotika. Hierzu zählen fermentierbaren Nahrungsfasern, wie:

  • Fructo-Oligosaccharide (FOS),
  • Pektine (aus Apfel und Möhre),
  • Inulin (z.B. aus Chicorée, Artischocke) und
  • Zuckerrübenschnitzel

Diese Komponenten sind per Se unverdaulich und können nur von bestimmten, für den Körper nützliche Bakterien als Nahrungsquelle genutzt werden. Durch das Zufüttern dieser Futterbestandteile fördert man deren Wachstum im Dickdarm. Die Anzahl der „guten“ Bakterien nimmt zu und gleichzeitig werden  die potentiell schädlichen Bakterien (z. B. Clostridien) zurück gedrängt. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass bei der Fermentation kurzkettige Fettsäuren entstehen. Diese führen zu einer Ansäuerung des Darminhaltes und das schafft wiederrum schlechtere Umgebungsbedingungen für die „schlechteren“ Bakterien. Zusätzlich dienen die kurzkettigen Fettsäuren der Ernährung der Darmzellen und unterstützen somit deren Heilungsprozess.

Nahrungskomponeten, die selektiv das Wachstum „guter“ Bakterien unterstützen, werden als Präbiotika bezeichnet.

Pobiotika

Als Probiotika werden lebende Mikroorganismen bezeichnet, von denen nach oraler Aufnahme eine gesundheitsfördernde Wirkung ausgeht. Sie sollen die Bildung unerwünschter Mikroorganismen hemmen, die Darmschleimhaut schützen, können zu einer Verkürzung der Durchfalldauer führen und fördern den Abbau von Milchzucker (Laktose).

Bei Durchfällen, die durch Medikamente, wie Antibiotika oder Wurmkuren aufgetreten sind, können Probiotika vorbeugend wirken oder die Dauer der Erkrankung verkürzen.

Dabei handelt es sich um bestimmte Enterokokken, Laktobazillen, Bifidobakterien oder bestimmte Hefen. Vorrausetzung für eine gute Wirksamkeit ist, dass die Probiotika die Darmpassage gut überstehen. In den dazu geführten Studien konnte belegt werden, dass die Probiotika einen positiven Einfluss auf die Verdauung hatten.  So konnte beispielsweise festgestellt werden, dass die Kotkonsistenz und die mikrobielle Zusammensetzung des Kotes sich verbesserte. Zusätzlich gab es Hinweise darauf, dass sie einen positiven Effekt auf das Immunsystem im Ganzen haben.

Andere Futterinhaltsstoffe unterstützen die Heilungsprozesse im erkrankten Magen-Darm-Trakt – einige Beispiele:

  • Zeolith
  • Flohsamen
  • MOS
  • EPA und DHAn(Omega-3-Fettsäuren)

DIe Verdauung des Hundes, www.vet-dogs.de

Leidet dein Hund auch an Verdauungsproblemen? Oder hast du weitere tolle Tipps um die Verdauung des Hundes zu unterstützen?


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