Aktualisiert am 09.07.2026 · Medizinisch geprüft von Dr. Ronja Kauer, Tierärztin bei Vet-Dogs

Ein Hitzschlag beim Hund ist ein akuter Notfall: Die Körperkerntemperatur steigt auf über 40 °C, die körpereigene Kühlung versagt. Die wichtigste Sofortmaßnahme ist, den Hund so schnell wie möglich mit viel kaltem Wasser zu kühlen! Erst danach zum Tierarzt fahren. Ohne schnelle, effektive Kühlung verstirbt über die Hälfte der betroffenen Hunde.

Wie du einen Hitzschlag erkennst, was im Notfall wirklich hilft und wie du vorbeugst, erfährst du in diesem Beitrag.

Die Thermoregulation des Hundes

Unter Thermoregulation versteht man alle Mechanismen, mit denen der Körper seine Innentemperatur konstant hält. Beim Hund liegt sie physiologisch bei 37,5 bis 39,0 °C, wobei größere Hunde tendenziell eine niedrigere Körperinnentemperatur haben als kleine.

Ziel der Thermoregulation ist es, vor allem die Temperatur des Körperkerns, also Gehirn und innere Organe, stabil zu halten.

Neben dem Hecheln beeinflussen Hunde ihre Temperatur auch über ihr Verhalten: Sie suchen sich schattige Plätze, legen sich auf kühle Böden oder springen ins Wasser.

Der Hund verfügt dabei über zwei relevante Kühlmechanismen:

Konduktion: der Wärmeaustausch über Luft und Oberflächen. Um effektiv abzukühlen, legen sich Hunde meist flächig auf kühle Böden (z. B. Fliesen oder eine Kühlmatte). Auch ein leichter Luftzug hilft. Dieser Mechanismus funktioniert gut bei idealgewichtigen Hunden mit mäßig viel Fell. Bei dicken (adipösen) Hunden oder Hunden mit viel Unterwolle ist der Effekt durch die zusätzliche Isolationsschicht deutlich vermindert.

Verdunstung: Kühlung über das Hecheln. Hunde können nicht effektiv schwitzen, daher hecheln sie: Sie atmen warme Luft über das Maul aus und kühlen die eingeatmete Luft über die Nasenmuscheln ab, der verdunstende Speichel auf der Zunge sorgt für zusätzliche Kühlung. Künstlich lässt sich der Verdunstungseffekt durch Schwimmen, Planschen oder Abduschen mit kühlem Wasser unterstützen.

Das Thermoregulationsproblem brachycephaler Rassen

Brachycephalie bezeichnet eine Schädeldeformität, die zu Kurzköpfigkeit führt. Durch das verminderte Längenwachstum des Gesichtsschädels kommt es bei betroffenen Rassen zu einer Verengung der oberen Atemwege, oft kombiniert mit einem zu langen, zu dicken Gaumensegel, verengten Nasenlöchern, Nasenmuschelwucherungen und, vor allem bei kleinen Rassen, Fehlbildungen der Trachealspangen (Knorpel der Luftröhre) oder des Kehlkopfknorpels. Das kann zu einem Trachealkollaps oder einer Verlegung des Kehlkopfs (Larynx) führen.

Das Brachycephalen-Syndrom ist damit durch eine starke Atembehinderung und eine daraus resultierende fehlende oder verminderte Thermoregulation gekennzeichnet: Bei einem Hund mit „normaler“ Schnauze entsteht beim Einatmen durch die Nase Verdunstungskälte auf den feuchten Schleimhäuten, die eine Überhitzung des Schädelinneren verhindert.

Definition Kurzköpfigkeit, Brachycephalie

Bei brachycephalen Hunden ist dieser Effekt durch die zuchtbedingte Fehlbildung kaum vorhanden. Zudem kann Hecheln bei ihnen zu massiver Anstrengung werden und Druckveränderungen im Schädel sowie eine Schwellung der Schleimhäute erzeugen. Effektives Hecheln ist anatomisch bedingt oft gar nicht möglich.

Zu den betroffenen Rassen zählen unter anderem Mops, Bulldoggen aller Art und Boxer, aber auch Hunde mit ausgeprägtem „Kindchenschema“ wie Chihuahuas oder Shih Tzus.

Entstehung und Symptome eines Hitzschlags

Der Fachbegriff für Hitzschlag lautet Hyperthermie-Syndrom („Überhitzung“). Dabei versagt die Thermoregulation, die Körperkerntemperatur steigt auf über 40 °C, und der Hund kann sie weder über Konduktion noch über Verdunstung senken. Häufig entsteht ein Hitzschlag durch eine Kombination aus verminderter Wärmeabgabe und erhöhter Wärmeproduktion.

Man unterscheidet den klassischen Hitzschlag (ausgelöst durch hohe Umgebungstemperaturen) vom anstrengungsbedingten Hitzschlag (ausgelöst durch übermäßige körperliche Belastung).

Mischformen sind möglich, etwa beim Ballspielen oder Joggen bei hohen Außentemperaturen.

Ein Hitzschlag schädigt Organe direkt und führt zusätzlich zu einer Minderdurchblutung, die wiederum Gewebeschäden nach sich zieht. Beim Hund gilt der Darm als zentrales Schockorgan, betroffen sein können aber auch Niere, Leber, Lunge, Herz, Hirn und Gefäßwände.

Erste Anzeichen (Körpertemperatur > 39,5 °C):

  • Starkes Hecheln
  • Unruhe, Nervosität
  • Angestrengte Atmung

Notfallsituation (Körpertemperatur > 40 °C):

  • Schnelle, flache Atmung (Tachypnoe bis Dyspnoe)
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Rote oder bläuliche (zyanotische) Schleimhäute
  • Taumeln, Koordinationsschwierigkeiten
  • Evtl. Erbrechen, Durchfall, starker Speichelfluss (Hypersalivation)

Lebensbedrohlicher Zustand (Körpertemperatur > 41 °C, in fortgeschrittenen Fällen auch Untertemperatur möglich):

  • Kreislaufkollaps
  • Krampfen, Zittern (Tremor)
  • Bewusstseinsverlust
  • Atemnot
  • Blaue (zyanotische) Schleimhäute

Mögliche Folgen eines Hitzschlags

Unbehandelt führt ein Hitzschlag zu einem starken Hirnödem und letztlich zum Tod durch Herz- und Atemstillstand.

Jeder Hitzschlag ist ein Notfall und gehört umgehend behandelt.

Ab einer Körperinnentemperatur von 41 °C drohen Eiweißzerstörung, Blutgerinnungsstörungen und Multiorganversagen. Ohne adäquate Behandlung verstirbt über die Hälfte der betroffenen Hunde. Jeder Hund mit Hyperthermie-Syndrom sollte deshalb umgehend einem Tierarzt vorgestellt werden.

Folgeschäden können auch noch Stunden bis Tage später auftreten:

  • Schockdarm: Die Minderdurchblutung führt zu Ödemen und teils irreversiblen Zellschäden, meist erkennbar an (blutigem) Durchfall.
  • Akutes Nierenversagen: verursacht durch Minderperfusion (unzureichende Durchblutung) in Kombination mit Flüssigkeitsmangel.
  • Herz-Kreislauf-Probleme: vor allem nach einem Schock drohen langfristige Herzmuskelerkrankungen und Herzrhythmusstörungen.
  • Neurologische Symptome: durch Hirnödem und Minderperfusion können Nervenzellen geschädigt werden, betroffene Hunde zeigen häufig Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen.
  • Blutgerinnungsstörungen: eine disseminierte intravasale Gerinnung (DIC) kann zu unkontrollierten Blutungen führen.

Risikofaktoren für die Entstehung eines Hitzschlags

Neben den anatomischen Besonderheiten brachycephaler Rassen gibt es weitere Risikofaktoren:

  • Adipositas (Übergewicht)
  • Herz- und Lungenerkrankungen
  • Dichtes Fell bzw. viel Unterwolle

Aus der Praxis: Brachycephale Hunderassen machen überdurchschnittlich viele der mit Hyperthermie vorstelligen Patienten aus. Häufig spielen mehrere Risikofaktoren zusammen. Bei brachycephalen Hunden mit Herzerkrankung ist deshalb besondere Vorsicht geboten.

Übergewicht ist einer der am leichtesten beeinflussbaren Risikofaktoren. Mit einem bedarfsgerechten Rationsplan über unseren Futterrechner behältst du das Gewicht deines Hundes ganzjährig im Blick.

Notfallmaßnahmen: So kühlst du richtig

Der aktuelle wissenschaftliche Stand gibt eine klare Handlungsempfehlung:

Den Hund so schnell wie möglich mit viel kaltem Wasser auf 39,5 °C Körpertemperatur kühlen. Es gilt: erst die Kühlung, dann der Transport.

Nach effektiver Kühlung sollte jeder Hund mit Hitzschlag zeitnah beim Tierarzt vorgestellt werden.

Wichtig: Empfehlungen wie das Auflegen feuchter Handtücher oder das Kühlen von Pfoten und Kopf mit lauwarmem Wasser sind überholt! Solche Fehlinformationen können den Hitzschlag im schlimmsten Fall tödlich enden lassen. Auch die früher verbreitete Sorge, kaltes Wasser könne durch Vasokonstriktion (Zusammenziehen der peripheren Blutgefäße) den Kühleffekt verhindern oder den Kreislauf zusätzlich belasten, ist wissenschaftlich widerlegt.

Ziel der Notfallversorgung ist es, die akut lebensbedrohliche Situation so schnell wie möglich zu entschärfen. Eine Zerstörung der Proteine durch Körpertemperaturen jenseits der 41 °C ist deutlich gefährlicher als ein potenzieller Schock durch das Übergießen mit kaltem Wasser. Uneffektive oder unzureichende Kühlung kann im Ernstfall das Leben kosten.

Erst kühlen, dann transportieren.

Checkliste für den Ernstfall

  • Situation einschätzen: Handelt es sich um einen Hitzschlag? Wie dramatisch ist der Zustand? Mit dem richtigen Wissen kannst du jetzt Verantwortung übernehmen und richtig handeln oder andere anleiten.

  • Kühlen, kühlen, kühlen: Je nach Möglichkeit den Hund in kaltes Wasser tauchen oder kontinuierlich mit viel Wasser abbrausen bzw. übergießen. Ein Ventilator verstärkt zusätzlich den Verdunstungseffekt. Ziel: Abkühlung auf 39,5 °C, danach umgehend zum Tierarzt.

  • Improvisieren, wenn nötig: Nicht immer ist ein Gartenschlauch zur Hand. Übergieße notfalls mit Wasserflaschen, stelle die Klimaanlage inklusive Gebläse auf die höchste Stufe  und scheue dich nicht, um Hilfe zu bitten. Vielleicht hilft der Supermarkt nebenan oder der Nachbar im Camper mit, den Hund zum nächsten Bach zu tragen.

Das solltest du auf keinen Fall tun:

Diese Tipps gelten als überholt und sollten NICHT mehr angewendet werden:

  • Mit feuchten Handtüchern zudecken: Das führt schnell zu einem Hitzestau und kann die Situation verschlimmern. Wenn möglich, immer mit fließendem Wasser kühlen.
  • Zu wenig kühlen: Bei einer Körperinnentemperatur über 41 °C reicht das Kühlen von Pfoten und Kopf allein nicht aus und erhöht das Sterberisiko.
  • Ohne effektive Kühlung im Kofferraum transportieren: Schon wenige Minuten in einem kaum klimatisierten, heißen Kofferraum können den Zustand trotz vorheriger Kühlung verschlimmern. Transportiere den Hund wenn möglich gesichert auf der Rückbank bei voll aufgedrehter Klimaanlage.

Alltagstipps: Cool durch heiße Sommertage

  • Hundefreundliche Tagesplanung: Aktivitäten am besten in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden legen. Größere Gassirunden eignen sich am besten in den kühlen, frühen Morgenstunden. Anstrengende Aktivitäten wie Ballspielen, Joggen oder Wandern in der Mittagshitze unbedingt vermeiden.

  • Abkühlungsmöglichkeiten schaffen: Ob schattiges Plätzchen, Hundepool (wir nutzen diesen hier*), kühler Kellerraum oder Kühlmatte wie z. B. die von Pecute*.
    Dein Hund sollte sich jederzeit über Konduktion abkühlen können.

  • Weg mit dem Pelz: Hunde mit viel Unterwolle sollten im Sommer regelmäßig bis auf die Haut gebürstet werden (z. B. mit dem Furminator*). Nur so können Luft und Wasser bis zur Haut vordringen und effektiv kühlen. Viel Unterwolle behindert nicht nur die Thermoregulation, sondern neigt bei Feuchtigkeit zu Verfilzungen, was Luftzirkulation und Hautgesundheit zusätzlich beeinträchtigt.

  • Hitzefallen meiden: Schon bei 24 °C Außentemperatur kann ein in der Sonne geparktes Auto innerhalb von 20 Minuten eine Innentemperatur von 48 °C erreichen. Auch Zelte oder Veranstaltungen wie Reitturniere, Feste oder Ausflüge ohne ausreichende Abkühlungsmöglichkeiten können zum lebensbedrohlichen Hitzschlag führen.

Häufige Fragen zum Hitzschlag beim Hund

Wie kühle ich einen Hund bei einem Hitzschlag richtig?

Mit viel kaltem Wasser! Am besten durch Übergießen, Abbrausen oder Eintauchen. Ziel ist eine Körpertemperatur von 39,5 °C. Danach so schnell wie möglich zum Tierarzt. Feuchte Handtücher oder nur lauwarmes Wasser auf Pfoten und Kopf reichen nicht aus.

Ist kaltes Wasser bei einem Hitzschlag gefährlich für den Hund?

Nein. Die früher verbreitete Sorge vor Gefäßverengung oder Kreislaufbelastung durch kaltes Wasser gilt heute als widerlegt. Eine Körpertemperatur über 41 °C ist deutlich gefährlicher als ein möglicher Schock durchs Übergießen.

Woran erkenne ich einen Hitzschlag beim Hund?

Erste Anzeichen sind starkes Hecheln, Unruhe und angestrengte Atmung ab 39,5 °C Körpertemperatur. Im weiteren Verlauf kommen Herzrasen, bläuliche Schleimhäute, Taumeln, Erbrechen oder Durchfall hinzu. Ab 41 °C drohen Kreislaufkollaps, Krämpfe und Bewusstseinsverlust.

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Brachycephale (kurzköpfige) Rassen wie Mops, Bulldoggen, Boxer, aber auch Chihuahuas oder Shih Tzus. Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht, Herz- oder Lungenerkrankungen und dichtes Fell mit viel Unterwolle.

Muss ich nach der Kühlung trotzdem zum Tierarzt?

Ja, immer. Folgeschäden wie Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen oder neurologische Symptome können auch noch Stunden bis Tage nach dem Vorfall auftreten, selbst wenn es dem Hund direkt nach der Kühlung schon besser geht.

Quellen: 

  • RECOVER Initiative – Notfallmedizinische Standards inkl. Hyperthermie-Management
  • Bruchim et al.: Heat Stroke in Dogs: A Retrospective Study of 54 Cases (1999–2004) and Analysis of Risk Factors for Death, J Vet Intern Med, 2006
  • Parnes et al.: Voluntary head dunking after exercise-induced hyperthermia rapidly reduces core body temperature in dogs, J Am Vet Med Assoc, September 2024
  • Caldas et al.: Heat stroke in dogs: Literature review, Vet Med, April 2022
  • Clark AE: Heatstroke and brachycephalic dogs – is there an increased risk?, Vet Evidence, Dezember 2022
  • Royal Veterinary College: Heatstroke in dogs and cats

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei Verdacht auf einen Hitzschlag wende dich umgehend an eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

*Affiliate Links