Wie ich euch ja bereits in dem ersten Artikel erzählt habe, hat Hugo ein unheimlich großes Problem mit anderen Hunden. Und so starteten wir Anfang des Jahres das Projekt: Leinenaggression ade.

In unserer ersten Trainingsstunde erkannten wir, dass Hugo nicht ausschließlich angstmotiviert handelt, sondern dass es vielmehr ein antrainiertes Verhalten ist, quasi eine Art Hobby.

Sobald wir auch nur einen anderen Hund gesehen haben, ist er drauf los… wildes Gebell, nach vorne gehen etc. das ganze Programm… sodass man am liebsten samt Hund im Erdboden versunken wäre.

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Rocky und Hugo sind ein Dreamteam

Nach der ersten Trainingsstunden sollten wir also als erstes unsere Gewohnheiten verändern.
Eine Woche später war es dann soweit, das zweite Training stand an. In dieser Stunde lernten wir Hugo zu korrigieren und somit insgesamt die Grenzen neu abzustecken.
Dazu haben wir Hugo zunächst an die Leine genommen, diese in die kürzeste Verschnallung geändert und sind einfach losgegangen. Dann sollte ich stehenbleiben.
Wenn ich stehen geblieben bin, wollte Hugo natürlich einfach weiter laufen. Und genau in diesem Moment erfolgte ein kurzes Rucken an der Leine, gefolgt von einer kurzen Richtungsänderung. Anschließend sind wir weiter, in die ursprüngliche Richtung, den Weg entlang gelaufen. Die Leine war dabei stets durchhängend und nie unter Spannung.

Hugo war schon beim ersten Mal total irritiert und folgte ganz selbstverständlich der Ausweichbewegung. Das wiederholten wir noch ca. 2-3 x, danach war Hugo so aufmerksam und achtete ganz sensibel auf kleinste Veränderungen. Hielt ich an, tat er es mir gleich etc.

Anschließend wurde die Leine in die längste Möglichkeit verschnallt. In diesem „Modus“ durfte Hugo dann schnüffeln, seine Geschäfte verrichten oder auch ziehen.
Aber sobald die Leine kurz verstellt war, sollte er mit seinen Gedanken bei mir sein.

Nun hieß es also: üben, üben, üben.

Wir suchten uns dazu nur ruhige Umgebungen, vermieden andere Hundekontakte komplett und übten mehrmals täglich. Ziel war es, das diese Art Gassi gehen unsere neue Routine wurde. Weiterhin sollten wir Hugo Zuhause nicht hochpuschen. Es sollte alles in einer ruhigen Umgebung ablaufen. Denn Hugo kann man mit wenigen Worten oder Taten sehr schnell aufdrehen.

Außerdem wurde uns die Anschaffung eines Maulkorbes inklusive Maulkorbtraining nahe gelegt. Die Maulkorbsuche gestaltete sich als relativ schwierig, sodass ich euch einen Artikel zum Maulkorbkauf angefertigt habe.

Eine Woche später, hatten wir erneut unser Training. In dieser Stunde wurde das neu erlernte Spazieren gehen überprüft und heute hieß es, mäßige Ablenkung schaffen. So wurde Hugo beispielsweise von einer anderen Person zu sich gerufen. Natürlich wollte er dann dahin und wurde dafür korrigiert. Das gleiche galt für einen Busch, der besonders toll roch. Nach wie vor galt, kurze Leine – nur auf mich achten. Lange Leine – Hugo kann machen, was er möchte.
Am Ende der Stunde, hieß es auch hier wieder: fleißig Zuhause üben.

Eine weitere Woche später, war es dann soweit. Die Ablenkung wurde weiter vergrößert, Hundebegegnungen standen auf dem Trainingsplan. Anfangs sind Hugo und ich in sehr weiter Entfernung an anderen Hunden vorbei gelaufen. Jegliche Anspannung bei Hugo habe ich korrigiert und ich war ziemlich perplex. Ich konnte ihn super korrigieren, er hielt sich an meiner Seite und jammerte zwar etwas, machte jedoch keinen Lärm. Auch, als wir im Folgenden, den Abstand zu den anderen Hunden verkleinerten, blieb Hugo ruhig. Am Ende der Stunde, standen Hugo und ich, in nicht mal einem Meter Abstand, zu zwei anderen Hunden.

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Hugo beim Training

Auch jetzt, Wochen nach unserer letzten Trainingseinheit, lässt sich Hugo super korrigieren und motzt deutlich weniger.

Manchmal, wenn ich den anderen Hund nicht früh genug sehe, dann setzt er schon an um zu bellen aber ich kann ihn ziemlich schnell beruhigen und er lässt sich schnell wieder einfangen. Das war vor noch einigen Wochen undenkbar.
Insgesamt ist Hugo entspannter geworden. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass er mehr auf mich bauen kann oder er jetzt ziemlich feste Grenzen hat. Wir nehmen Hugo viel häufiger mit, weil ich weiß, dass er kein Theater mehr macht. Vieles ist somit einfacher geworden. Auch unabhängig vom Spazieren gehen, hat sich einiges bei uns geändert. So durften die Hunde, sonst immer wie verrückt die Flurtreppe „herunterfliegen“. Jetzt gehen wir alle gesittet die Treppe runter und auch wieder rauf. Wenn wir jetzt die Wohnungstür öffnen, warten beide Hunde, bis sie „hereingebeten“ werden. Vorher gab es eher ein Gedrängel an der Wohnungstür.
Wenn wir essen, gehen die Hunde in ihren Korb oder müssen sich ablegen und sobald Hugo in der Wohnung bellt, diskutieren wir nicht mehr lange, sondern er wird in ein anderes Zimmer gebracht und darf erst wieder raus, wenn Ruhe ist. Das hat dazu geführt, dass er deutlich weniger bellt.

Nur ich muss noch entspannter werden und mehr Vertrauen in Hugo stecken. Durch die vielen negativen Erfahrungen, die wir zusammen erlebt haben, bemerke ich, dass ich mich verändere sobald wir einen Hund sehen. So ist meine Körperhaltung und auch –spannung ganz anders. Aber ich hoffe, dass sich das im Laufe der Zeit bessert.

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Im April haben wir noch einen wichtigen Termin in unserem Kalender stehen. Wir haben uns zu einem Hundebegegnungskurs angemeldet. In diesem Kurs werden Hugo und ich anderen Hunden begegnen – im Freilauf – und diese werden anschließend analysiert.
Ich bin schon sehr gespannt, aber auch etwas ängstlich…

Hast du auch ein Hund mit Leinenaggression? wie trainierst du?


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