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Zeckenprophylaxe – Welche Möglichkeiten gibt es für deinen Hund

Zeckenprophylaxe – Welche Möglichkeiten gibt es für deinen Hund

Alle Jahre wieder dieses leidige Thema. Wie schütze ich effektiv meinen Hund gegen Zecken. Dabei stehen wir immer wieder vor dem Dilemma: ein chemiehaltiger Zeckenschutz oder eine natürliche Variante?
Ein sehr emotionales Thema wie ich finde. Ich versuche euch, die gängigsten Möglichkeiten aufzulisten. Aber fangen wir zunächst bei den Zecken an.

Allgemeines zu den Zecken

Zoologisch gesehen, gehören Zecken zu den Spinnentieren, genauer zu den Milben. Weltweit gibt es über 850 verschiedene Arten und man unterscheidet 2 große Gruppen:
Die Lederzecken und die Schildzecken.

Lederzecken

Die Lederzecken ähneln einem häutigen Sack, ihre Mundwerkzeuge befinden sich auf der Bauchseite. Sie fühlen sich weich an, denn sie haben keinen ausgeprägten Chitinpanzer.
In unseren Breitengraden stellen die Taubenzecken die wichtigste Gruppe dar.
Männchen und Weibchen unterscheiden sich kaum voneinander. Die Zecken durchlaufen bis zu 8 Nymphenstadien (meistens jedoch 2) und jedes adulte Tier kann sich mehrmals paaren. Nach jeder Blutmahlzeit legen die Weibchen ihre Eier ab. Die Tiere leben versteckt in Spalten oder Ritzen in Ställen, Nestern. Sie „überfallen“ ihren Wirt nachts, während des Schlafs. Sie kommen eigentlich ausschließlich beim Geflügel (z. B. Tauben) vor. Ohne Nahrung können Lederzecken bis zu 10 Jahren überleben.
Als Krankheitsüberträger sind die Lederzecken eher unbedeutend. Können aber auch Borreliose oder Q-Fieber übertragen. Menschen oder andere Tiere werden aber sehr selten „überfallen“, betroffen sind meist nur Taubenhalter, die ihren Stall aufgegeben haben und wegen des Nahrungsmangels von den Taubenzecken „überfallen“ werden. Die Stiche können dabei allergische Reaktionen verursachen.

Schildzecken

Die 2. wichtige Gattung sind die Schildzecken. Zu ihnen gehört der gemeine Holzbock, die Igelzecke, die Schafzecke, braune Hundezecke, Auwaldzecke oder Rinderzecke.
Die Schildzecken tragen auf ihrem Rücken ein chitinhaltiges Schild. Die Mundwerkzeuge ragen über den vorderen Rand der Zecke hinaus. Es gibt nur ein Nymphenstadium. Die Männchen sterben nach der Begattung und die Weibchen nach der Eiablage. Als Wirte kommen Reptilien, Vögel und Säugetiere in Frage. Es gibt dreiwirtige Zecken, die nach jeden Entwicklungsstadium ihren Wirt wechseln ( z.b. der gemeine Holzbock), zweiwirtige, wie die braune Hundezecke und einwirtige, wie die Rinderzecke.

In unseren Breiten gehört der Holzbock zur gängigsten Art. In den letzten Jahren hat sich außerdem noch die Auwaldzecke und die braune Hundezecke (die eigentlich aus dem Mittelmeerraum stammt) bei uns etabliert.
Die braune Hundezecke hat außerdem die unangenehme Eigenschaft sich nicht nur im Wald oder dichten Büschen aufzuhalten, sondern fühlt sich auch in Wohnungen und Häusern zuhause und kann sich dort vermehren oder überwintern.

Zecken übertragen Krankheiten

Zecken können während des Saugakts, sowohl auf Menschen wie auch auf Tiere, gefährliche Krankheiten übertragen.
Zu denn gefährlichen Krankheiten gehören Borreliose, Babesiose, Leishmaniose, Herzwurmerkrankungen, Unterhautfadenwürmer, Anaplasmose, Ehrlichose oder FSME (Frühsommer Encephalomeningitis). Mies ist auch die Hepatozoonose, eine Erkrankung die zur Zeit noch auf dem Mittelmeerraum beschränkt ist. Hier reicht es, dass der Hund die Zecke hinunterschluckt oder sie zerbeißt um sich mit der Krankheit zu infizieren.
Daher sollte dein Hund nach jedem Spaziergang auf Zecken untersucht werden und mit einem Zecken abwehrenden Mittel behandelt werden.
Bevorzugte Stichstellen beim Hund sind übrigens Schenkel- und Ellbogenfalte, Ohrränder, Schnauze und zwischen den Zehen.

Zecken mögen es warm und feucht

Insgesamt lieben es Zecken eher warm und feucht. Sie werden in der Regel erst ab einer Temperatur von ca. 10 Grad aktiv. Die eigentliche Zeckensaison dauert daher von ca. März bis Oktober/ November an.
Zecken bevorzugen dabei Ränder oder Lichtungen in Laub- und Mischwäldern, Bachränder, Gebüsche oder hohes Gras.
Der weitverbreitete Glaube, Zecken fallen von den Bäumen ist falsch. Zecken halten sich meist auf der Höhe des potenziellen Wirtes auf und warten dort (mitunter auch Wochen). Aufmerksam werden Zecken dort durch ein besonderes Sinnesorgan (Hallersches Organ) mit dem sie Geruchsreize (wie Ammoniak, Kohlendioxid oder Buttersäure – alles im Schweiß enthalten) wahrnehmen. Genauso reagieren Zecken auf Vibration oder Veränderungen der Lichtverhältnisse. Wenn der Wirt dann z. B. den Busch streift, heften sich die Zecken an ihren Wirt. Anschließend können sie mehrere Stunden auf ihrem Wirt herumkrabbeln um die geeignete Stelle zu Einstich zu finden (dünne Haut und warm, wird dabei bevorzugt). Nach dem Stich kann die Zecke bis zu 10 Tage an dem Wirt saugen und nimmt dabei bis zum 200-fachen ihres eigenen Körpergewichts an Blut zu sich.

Wie entferne ich eine Zecke richtig?

Sobald du bei deinem Hund eine Zecke entdeckt hast, solltest du sie auch entfernen. Denn bis eine Zecke mögliche Krankheitserreger überträgt, dauert es meist mehrere Stunden oder gar Tage. Beim Entfernen der Zecke solltest du darauf achten, ihr möglichst wenig Stress zuzuführen. Bei Stress erhöht sich nämlich das Risiko, dass die Zecke Krankheitserreger absondert. Es gibt mehrere Möglichkeiten eine Zecke zu entfernen, z. B. mittels einer Zeckenkarte, einer Zeckenzange oder einer normalen Pinzette. Auch das Entfernen der Zecke mit Fingern ist möglich, dabei sollte nur beachtet werden, dass die Zecke nicht gequetscht wird, denn dadurch wird sie vermehrt Speichel absondern.
Man sollte die Zecke möglichst nah an der Haut greifen und vorsichtig/ gleichmäßig aus der Haut ziehen. Es kann einige Sekunden dauern bis sich die Zecke löst. Ruckartiges abziehen sollte vermeiden werden, da sie die Gefahr des Abreißens erhöht.
Abtöten lässt sich die Zecke indem man sie einfriert (für 24 Stunden bei Minus 20 Grad), in hochprozentigem Alkohol gibt oder mit einem Gegenstand (z.B. Glas) zerquetscht. Übrigens, Zecken können bis zu 3 Wochen unter Wasser überleben. Das Herunterspülen der Zecke in die Toilette, wird die Zecke also nicht töten.
Bei Bedarf, kann die Zecke auch aufbewahrt und beim Tierarzt die Zeckenart bestimmt und ggf. beim Labor eingesendet werden, um mögliche Krankheitserreger zu bestimmen.
Auf Öl, Klebstoff oder Alkohol vor der Zeckenentfernung sollte vermieden werden. Die Zecke wird dadurch in einen Stresszustand versetzt, was zu vermehrter Speichelabsonderung führt und somit das Risiko mögliche Krankheitserreger zu übertragen, erhöht.
Nach dem Entfernen sollte man die Einstichstelle einige Tage lang beobachten. Zeigt der Hund nach dem Zeckenbiss Fieber, Mattigkeit oder Appetitlosigkeit, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.

Doch am besten ist es natürlich, den Zeckenbiss komplett zu vermeiden. Dafür gibt es unzählige Präparate auf dem Markt. Die gängigen stelle ich euch vor.

„Chemie-haltige“ Antiparasitika

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Spot on Präparaten und Halsbändern. Daneben gibt es noch die Möglichkeit ein Spray oder Tabletten zu nutzen. Und ja, all diese Präparate enthalten ein Nervengift, welches die Zecken und andere fiese Tierchen abhalten soll.

Die Halsbänder müssen ständig getragen werden um eine ausreichende zeckenabwehrende Wirkung zu gewährleisten. Jedoch sollte ein allzu intensiver Kontakt vermieden werden. Viele dieser Halsbänder sind übrigens auch toxisch für Wasserorganismen, das heißt der Hund sollte damit nicht schwimmen gehen um Fische und co. nicht zu gefährden. Grundsätzlich finde ich die Halsbänder super, da sie eine tolle Wirksamkeit haben und vor allem sehr lange wirken. Jedoch finde ich, wenn man viel mit seinem Hund kuschelt, dieser mit im Bett schläft oder kleine Kinder im Haushalt leben, die Gefahr schon hoch, ständig mit den Wirkstoffen in Kontakt zu kommen.

Spot on Präparate werden auf der Haut des Hundes aufgetragen. In der Regel eignet sich hierfür der Nacken oder der Bereich zwischen den Schulterblättern, denn die Hunde sollten sich das Präparat nicht ablecken können. Wenn der Hund viel Fell hat, muss das Fell gut gescheitelt werden, damit der Wirkstoff auf die Haut aufgetragen werden kann. Kontakt mit den eigenen Händen sollte dabei vermieden werden. Frisch behandelte Hunde sollten erstmal nicht im „Auftragungsbereich“ geknuddelt werden.
Wenn im Haushalt nicht nur Hunde leben, sondern auch Katzen, sollte man besonders aufmerksam bei der Präparatewahl sein, denn alle Permethrin-haltigen Zeckenschutzmittel sind giftig für Katzen. Katzen fehlt das Enzym um den Wirkstoff abzubauen und so führen selbst geringe Mengen zu schweren Vergiftungserscheinungen. Man sollte also darauf achten, dass die Katze keinen Kontakt dazu hat. Empfehlenswert ist es eh, ein anderes Mittel zu wählen.
Hunde die Hautkrankheiten oder offene Verletzungen haben, sollten keine Spot on Präparate erhalten. Manche Präparate eignen sich nicht zur Anwendung von trächtigen oder säugenden Hunden. In den ersten Tagen nach der Anwendung sollte der Hund nicht baden, damit das Präparat ausreichend wirken kann. Bei manchen Präparaten ist das Baden eh tabu, zum einen weil manche die wasserlebenden Organismen schädigen oder es dann wirkungslos ist.

Um einen lückenlosen Schutz gegen die Zecken zu gewährleisten, muss auf eine lückenlose Behandlung geachtet werden. Dabei sollte die präparatspezifische Wirkdauer bedacht werden.

Hier einige der gängigsten Zeckenschutzmittel:

Frontline

Enthält den Wirkstoff Fipronil, der das Nervensystem von wirbellosen Tieren (wie Zecken) eingreift und so zum Tode führt. Außerdem wirkt Frontline auch gegen Flöhe. Da es toxisch gegenüber wasserlebenden Organismen ist, sollte der Hund damit nicht in Gewässern baden. Frontline hat keine repellierende Wirkung (abhaltende, abschreckende Wirkung), so dass die Zecke im Idealfall beim ersten Haut-, Fellkontakt oder Biss abstirbt. Es ist ein Spot on Präparat.

Exspot

Exspot (Spot on Präparat) enthält Permethrin und sollte somit auf gar keinen Fall bei Katzen angewendet werden. Da Exspot eine repellierende Wirkung hat, sollten Zecken garnicht erst auf den Hund gelangen, wenn doch, stirbt sie durch den Kontakt mit dem behandelten Hund. Exspot wirkt nicht nur gegen Zecken, sondern auch gegen Flöhe und Schmetterlingsmücken und kann deshalb auch eingeschränkt vor Leishmaniose schützen. Auch bei Exspot behandelten Hunden gilt Wasserverbot.

Advantix

Advantix enthält 2 Wirkstoffe Permethrin und Imidacloprid und somit sollte auch dieses Spot on Präparat nicht bei Katzen angewendet werden. Advantix hat eine repellierende Wirkung auf Zecken, Flöhe und Stechmücken. So wie auch bei den oben genannten Präparaten sollte der Hund nicht baden gehen.

Effipro

Enthält den Wirkstoff Fipronil und wirkt als Spot on gegen Zecken und Flöhe. Da es keine repellierende Wirkung besitzt, besteht die Möglichkeit, dass die Zecken erst nach dem Biss absterben. Auch Effipro ist toxisch gegenüber Wasserorganismen.

Scalibor

Das Scaliborhalsband enthält Deltamethrin als Wirkstoff und schützt Hunde als Repellent gegen Zecken, Sand- und Schmetterlingsmücken, sowie gegen Stechmücken. Dadurch kommt das Halsband auch bei Reiseaufenthalten in Frage um den Hund gegen Dirofilariose (Herzwürmer), Leishmaniose, Ehrlichose oder Babesiose zu schützen. Katzen sollten jedoch wieder ferngehalten werden, da eine Intoxikation möglich ist. Wie die anderen auch, ist es toxisch gegenüber Fischen etc. Ein Vorteil des Halsbands ist die lange Wirkdauer von 6-8 Monaten.

Seresto

Bei dem Halsband Seresto kommen Imidacloprid und Flumethrin zum Einsatz und schützt somit den Hund gegen Zecken, Flöhe und Haarlinge. Es wirkt repellierend gegenüber Zecken und hat eine lange Wirksamkeit von bis zu 8 Monaten. Auch Seresto ist toxisch gegenüber Wasserorganismen.

Bravecto

Heiß diskutiert letztes Jahr, darf Bravecto natürlich nicht fehlen. Bravecto gibt es als Tablettenform und enthält den Wirkstoff Fluralaner. Es wirkt gegen Flöhe und Zecken. Flöhe und Zecken müssen am Hund anheften und mit der Nahrungsaufnahme beginnen, um dem Wirkstoff ausgesetzt zu werden. Letztes Jahr wurde in zahlreichen sozialen Medien und auch auf RTL über die Nebenwirkungen von Bravecto diskutiert. Von schweren Nebenwirkungen bis hin zum Tod von Hunden wurde berichtet. Fakt ist, dass Bravecto genauso wie alle anderen Chemie-haltigen Antiparasitika, Nebenwirkungen haben kann. Die Arzneimittelagentur EMA stufte „unerwünschte Nebenwirkungen“ mit selten ein und „schwerwiegende Nebenwirkungen“ mit sehr selten. Zudem unterliegen alle Medikamente einer permanenten Überwachung. MSD hat hierfür eine eigene Homepage erstellt und auf die Kritik geantwortet.

Collies und der MDR 1 Gendeffekt

Der MDR 1-Gendefekt ( Multi Drug Resistance) steht für Hunde, die für bestimmte Substanzen eine durchlässigere Blut-Hirn-Schranke haben als normale Hunde. Dadurch kommt es bei diesen Hunden bei bestimmten Medikamenten zu einer extrem hohen Konzentration des Arzneimittels im Gehirn. Dem MRD 1- Gendeffekt kam man in den 90er Jahren auf die Schliche, als Ivermectin (Antiparasiktum) auf den Markt kam und bei vielen Collies zu schweren Vergiftungen bis hin zum Tode führte. Jeder der einen „Risiko“ Hund hat, kann ich nur raten, ihn testen zu lassen (mittels Blutuntersuchung). Ich habe Hugo auch testen lassen, da ich mir nicht sicher bin, welche Rassen bei ihm mitgespielt haben. Und die lange Nase kam mir dann doch verdächtig collieartig vor 🙂
Aber wir hatten Glück. Hugo ist MDR 1 +/+, d.h. Negativ. Neben negativ gibt es auch noch heterozygot, d. h. ein Elterntier war Träger und der Hund kann somit sensibler auf bestimmte Medikamente reagieren als andere. Positiv bedeutet, der Defekt wurde von beiden Elterntieren an den Hund weitergegeben. Der Hund ist somit höchstwahrscheinlich sehr sensibel gegenüber bestimmte Arzneimittel. Diese sollte man, wenn möglich komplett meiden.
Rassen, die am ehesten vom MRD 1-Gendefekt betroffen sein können, sind: Collies, Whippets, Australian Shepherds, Shelties, Wäller, Weiße Schäferhunde, Bobtails, Deutsche Schäferhunde, Border Collies und natürlich Mischlinge.

Welche Antiparasitika sollten vermieden werden?

Makrozyklische Laktone, wie Ivermectine und andere (Doramectin, Selamectin, Moxydectin, Milbemycinoxim)
Als Pferde- und Hundehalterin solltest du beachten, dass wenn die Pferde im Stall mit eins der genannten Mittel entwurmt werden und du einen Hund mit MDR 1-Gendefekt hast, kann auch die Aufnahme der Pferdeäpfel schon ausreichen um schlimme Vergiftungen herbei zu rufen.
Das sind alles klassische Entwurmungsmedikamente. Dennoch sollte man mit einem positiven oder heterozygoten Hund auch bei der Wahl des Zeckenschutzmittels vorsichtig sein.
Wir hatten leider schon oft Hunde mit einer Vergiftung auf Grund eines MDR 1-Gendefekt in der Klinik. Das finde ich immer sehr schlimm, weil man das durch einen Test oder Vorsicht hätte verhindern können.

Natürliche Antiparasitika

Kokosöl

Die in dem Kokosöl enthaltende Laurinsäure soll eine abschreckende Wirkung auf Zecken haben. Dazu sollte das Kokosöl jedoch einen hohen Anteil (60 %) an Laurinsäure beinhalten, was im naturbelassenem, hochwertigem Kokosöl der Fall ist.
Dabei wird empfohlen, dass Kokosöl vor dem Spaziergang direkt auf dem Hund aufzutragen (Beine, Bauch, Beininnenseiten, Kopf, Hals, Nacken und Ohren). Nach einigen Stunden verschwindet die fettige Textur von selbst wieder. Studien konnten eine repellierende Wirkung beim Menschen nachweisen. Jedoch ist die Wirksamkeit deutlich kürzer.

Schwarzkümmelöl

2014 durch einen Schüler bei „Jugend forscht“ wurde die zeckenabwehrenden Eigenschaften entdeckt. Schwarzkümmelöl ist reich an ätherischen Ölen. Sein wichtigster Bestandteil ist Thymoquinom. Schwarzkümmelöl sollte nicht an tragende Hündinnen verfüttert werden und da die ätherischen Öle in der Leber abgebaut werden, sollten auch leberkranke Hunde kein Schwarzkümmelöl erhalten. Auch Katzen sollten kein Schwarzkümmelöl erhalten, da ihnen das Enzym zum Abbau von Terpenen, das in allen ätherischen Ölen enthalten ist, fehlt.
Ansonsten scheint das Schwarzkümmelöl, genauso wie das Kokosöl gute zeckenabwehrende Eigenschaften zu besitzen.

Bernstein

Das Prinzip der Bernsteinketten, Halsbänder soll darauf berufen, dass durch ein längeres Tragen des Bernsteins Bernsteinöl auf das Fell des Hundes übertragen wird, welches abstoßend auf Zecken wirken soll. Des weitern soll durch die Reibung am Fell des Hunde eine statische Aufladung stattfinden, die Zecken als unangenehm empfinden.

Bernstein lädt sich tatsächlich elektrostatisch auf. Aber er stößt keine kleinen Dinge ab, sondern zieht sie an.
Zecken selbst sind zwar auch sehr klein, aber eben nicht klein genug, als dass sie durch die elektrostatische Wirkung beeinflusst werden könnten. Zumal sie dann nicht abgestoßen werden würden sondern, im Sinne der Physik angezogen werden müssten.

Zwiebel, Knoblauch und Co.

Fakt ist, dass Knoblauch, Zwiebeln und auch Bärlauch (Lauchgewächsen) giftige Stoffe für Hund und Katze enthält. Sie enthalten schwefelhafte Stoffe (Sulfide) die zur Hämolyse führen, dass heißt die roten Blutkörperchen werden zerstört. Die toxische Dosis für Hunde liegt bei 5 g/kg Körpergewicht bei ganzem Knoblauch und bei Knoblauchextrakt bei 1,25 ml/kg Körpergewicht. Das heißt, für einen 20 kg schweren Hund können ca. 2 Knollen gefährlich werden. Das klingt erst einmal ziemlich viel. Jedoch muss man bedenken, dass jeder Hund unterschiedlich empfindlich ist, und so reagieren manche Hunde deutlich sensibler auf Knoblauch als andere. Zum Beispiel sollte man bei Akitas und Shiba Inus komplett auf Knoblauch und CO verzichten. Sie weisen eine angeborene Anomalie der roten Blutkörperchen auf und gelten damit als besonders sensibel.
Während der Zeit in der Tierklinik habe ich zwei Hunde auf Station gehabt, die durch eine Verfütterung von Knoblauch eine Intoxikation erlitten haben. Typische Vergiftungssymptome sind Durchfall, Erbrechen, Schwäche, erhöhte Atem- und Herzfrequenz, blasse, ggf. gelbliche Schleimhäute.

Die Wirksamkeit von Knoblauch soll daher rühren, dass die Zecken den Körpergeruch als unappetitlich wahrnehmen. In einer schwedischen Studie an Menschen wurden 2 Gruppen getestet, die einen die täglich Knoblauch zu sich nahmen und die andere Gruppe erhielt ein Placebo. Die Gruppe, die täglich Knoblauch erhielt, hatte dabei signifikant weniger Zecken als die andere Gruppe. Man geht davon aus, dass der veränderte Körpergeruch eine repellierende Wirkung auf Zecken haben kann. Es gibt aber keine veterinärmedizinischen Studien, die eine Wirksamkeit belegen.

EM Keramikbänder

EM steht für „effektive Mikroorganismen“. Laut Hersteller kann das EM-Keramik die „negativen Informationen aus dem Wasser entfernen“. Es soll eine langwellige Infrarotstrahlung bewirken, die Informationen in den Wassermolekülen tilgen und so einen reinen „Originalzustand“ herstellen. Zudem soll EM antioxidantisch wirken und soll die ursprüngliche Resonanz der Stoffe wieder herstellen und somit eine Regeneration herbeiführen.
Ganz ehrlich, ich bin skeptisch ob das wirken soll…. Aber anscheinend wirkt es bei manchen ja ganz gut.
Für mich wäre es jedoch nichts…. vielleicht bin ich da zu wissenschaftlich orientiert .-)

Bierhefe und Zistrose

Bierhefe wird täglich an den Hund verfüttert. Dadurch soll sich das Hautmilieu ändern, was wiederrum eine repellierende Wirkung auf Zecken haben soll.
Auch Zistrose, eine alte Heilpflanze soll gegen Zecken helfen. In einer „Studie“ mit 48 Hunden (was wirklich sehr klein ist) konnte ein positiver Effekt nachgewiesen werden. Ich konnte leider keine detaillierten Informationen zu der „Studie“ finden und lasse es deshalb unkommentiert.

Fazit

Erkrankungen, die durch Zecken übertragen werden, nehmen immer weiter zu. Auf Grund des veränderten Klimas fühlen sich auch Zecken bei uns wohl, die früher nur im Mittelmeerraum beheimatet waren. Umso mehr rückt eine sichere Zeckenprophylaxe in den Vordergrund. Fest steht aber auch: den perfekten Zeckenschutz gibt es nicht.

2013 führte die Universität Wien eine Studie an Hunden durch. 90 Hunde wurden ein Jahr lang begleitet und der Zeckenbefall dokumentiert. Insgesamt wurden 700 Zecken innerhalb diesen Jahres dokumentiert. Im ersten Moment erscheint die Zahl noch nicht wirklich groß, was ich
aber erschreckend finde, ist dass bei den durchgeführten Blutuntersuchungen festgestellt wurde, dass fast jeder zweite Hund eine durch Zecken übertragende Krankheit durchmachte. Das zeigt wie wichtig ein durchgehender Schutz vor jeder einzelnen Zecke ist. Gründe, die zum Zeckenbefall bei den Hunden führten, waren laut Studie, dass der Zeckenschutz nicht regelmäßig aufgefrischt wurde oder der Hund erst damit behandelt wurde, nachdem ein Zeckenbefall eingetreten war.
Zudem wurde letztes Jahr erstmals durch die Tierärztliche Hochschule Hannover das FSME Virus bei einem verstorbenen Hund nachgewiesen.

Je nach Wohngebiet ist das Risiko, dass der Hund durch einen Zeckenbiss an einer Infektionskrankheit erkrankt, unterschiedlich. Und jeder Hund ist anders, manche sind anziehender für Zecken als andere.

Jede Methode, um eine Erkrankung die durch Zecken verursacht wurde zu verhindern, hat Vor- und Nachteile.
Fakt ist auch, dass natürliche Mittel wie Kokosöl oder Bernstein keine wissenschaftlich erwiesene Wirkung haben. Im Gegenteil so kann Knoblauch sogar gesundheitsschädlich für den Hund sein.
Auch das alleinige Absammeln der Zecken hat eine sehr hohe Fehlerquote, wie eine weitere Studie feststellte.
Aber natürlich können alle Chemie – haltigen Zeckenmittel Nebenwirkungen haben und sollten ggf. nur nach Absprache mit dem Tierarzt angewendet werden.

Insgesamt würde ich Hundehaltern, die in einem Risikogebiet leben und täglich mit ihrem Hund in Wald und Wiese unterwegs sind, raten ihren Hund effektiv gegen Zecken zu schützen. Und das geht meiner Meinung nach nur mit den Chemie-haltigen Präparaten. Das gleiche gilt für alle Besitzer, die mit ihrem Hund in Gebiete reisen, wo ein hohes Übertragungsrisiko herrscht (Reisekrankheiten). Ich selbst bevorzuge dabei Mittel mit einer repellierenden Wirkung, denn so sind die Chancen hoch, dass die Zecke garnicht erst zum Hund kommt.

Wer noch mehr lesen möchte, findet in den Leitlinien: Verhinderung der Erregerübertragung durch Blut saugende Vektoren bei Hunden noch weiterführende Informationen zum Thema.

Was mache ich mit meinen eigenen Hunden?

Wir wohnen Gott sei dank in keinem Risikogebiet und Rocky wirkt sowas von unattraktiv auf Zecken, dass er gar kein Zeckenschutz bekommt. Ich kontrolliere ihn nach jeden Spaziergang und auf Grund des hellen, kurzen Fells finde ich in 99 % der Fälle auch jede vorhandene Zecke.
Hugo dagegen wirkt wie ein Zeckenmagnet und bekommt deshalb auch eine Zeckenprophylaxe. Wir haben gute Erfahrungen mit Advantix gemacht. Auch Bravecto haben wir schon ausprobiert und konnten keine Nebenwirkungen feststellen. Da beide Hunde im Haus nie ein Halsband tragen, sie viel schwimmen und wir relativ viel kuscheln, kam ein Halsband bisher nicht in Frage für uns.

Wie ist das bei dir? Wie schützt du deine  Hund gegen Zecken?
Ich freue mich auf deine Nachrichten,

Deine Anja

2 thoughts on “Zeckenprophylaxe – Welche Möglichkeiten gibt es für deinen Hund

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