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Das Blutbild beim Hund – So interpretierst du es als Hundebesitzer

Du kennst diese Situation vielleicht auch.

Das Blutbild beim Hund steht an oder du möchtest ein Blutuntersuchung deines Hundes machen lassen und würdest gerne wissen, was diese ganzen Abkürzungen in einem Blutbild bedeuten? Vielen Patientenbesitzern in der Klinik geht es genau und aus diesem Grund möchte ich dir heute zeigen, wie du das Blutbild beim Hund richtig liest und was diese ganzen Abkürzungen bedeuten.

Grundsätzlich kann man unterschiedliche Parameter im Blut bestimmen. Meistens wird ein rotes Blutbild und eine klinische Chemie, inklusive Untersuchung der Elektrolyte angefertigt.

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Inhaltsverzeichnis

Grundsätzliches: Können bestimmte Faktoren, wie Futteraufnahme das Blutbild beim Hund beeinflussen?

Ja, dass Blutbild deines Hundes kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden.
So beeinflusst beispielsweise die Nahrungsaufnahme die Glucose, Harnstoff, Fette und das Phosphat.
Somit sollte der Hund bei einer geplanten Blutentnahme nüchtern (12 Stunden fasten) zur Laboruntersuchung erscheinen, um mögliche Verfälschungen der Laborwerte entgegenzuwirken.
In manchen Situationen, wie zum Beispiel ein akuter Notfall, kann man nicht darauf achten und das ist auch okay, da dann meistens andere Parameter wichtiger sind. Wenn ich jedoch mit meinem Hund eine Vorsorgeuntersuchung durchführen oder beispielsweise die Nierenwerte kontrollieren möchte, ist es wichtig, solche Verfälschungen zu vermeiden.
Genauso kann Stress oder körperliche Anstrengung die Erythrozyten- und Leukozytenzahl, Glucose, Laktat, Stresshormone und Muskelparameter verfälschen.

Also fangen wir an und schauen uns das Blutbild beim Hund genauer an:

Das rote Blutbild

Ein Blutbild beim Hund wird häufig in ein kleines Blutbild und ein großes Blutbild bzw. Differentialblutbild eingeteilt.

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Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten)

Erhöhung der Erythrozyten (Polyzythämie)

Die roten Blutkörperchen, auch Erythrozyten genannt, machen den größten Anteil des Blutes aus. Ihre Hauptaufgabe ist der Sauerstofftransport. Eine Erhöhung der Erythrozyten wird auch Polyzythämie oder auch Erythrozytose genannt. Bei einer Erhöhung der roten Blutkörperchen sind alle anderen Blutzellreihen im Normbereich.
Beachte bitte: Windhunde und auch Dackel können physiologischerweise einen höheren Hämatokrit ausweisen.
Die Erhöhung der roten Blutzellen kann einerseits relativ und zum anderen absolut sein.

Relative Polyzthämie

Eine relative Polyzythämie (Erhöhung der Erythrozyten) ist quasi eine „Pseudo“ Erhöhung der Erythrozyten. In diesem Fall, liegt immer eine andere Ursache, die nichts mit den Blutzellen zu tun hat, zu Grunde. Es bezeichnet den Zustand einer Hämokonzentration, also eine Bluteindickung.

Mögliche Gründen wären: Dehydrierung infolge von Hitze, fehlende Wasseraufnahme, Erbrechen, Durchfall oder Verbrennungen. Weitere Anzeichen einer Hämokonzentration (Bluteindickung) sind eine Erhöhung der Proteine und des Natriums.

Die absolute Polyzythämie

Die absolute Polyzythämie (Erhöhung der Erythrozyten) kann man wiederrum in eine primäre und eine sekundäre Form einteilen und hat etwas mit einer fehlerhaften Blutzellenbildung zu tun.

Die primäre Form

bezeichnet eine krankhafte Störung der Blutzellenbildung im Knochenmark. Diese Erkrankung wird auch als Polycythaemia vera bezeichnet. Bei dieser, Gott sei dank sehr seltenen Erkrankung, kommt es zu einer abnormen und viel zu starken Bildung der Blutzellen.

Die sekundäre Form

oder auch symptomatische Polyzythämie genannt, umfasst eine vermehrte Bildung von Blutzellen (Erythropoese), die durch andere Faktoren ausgelöst wird.

Als Erythropoese bezeichnet man den Vorgang der Bildung und Reifung der roten Blutzellen.

Dies kann zum Beispiel durch eine erhöhte Erythropoetin (EPO) Produktion der Fall sein, ausgelöst durch schwere Herzerkrankungen, chronische Lungenerkrankungen oder Pulmonalstenosen (Einengung des Gefäßes, welches das Blut vom Herzen zur Lunge führt). Auch der Aufenthalt in großer Höhe oder bei Brachycephalie (Rundköpigkeit, wie z. B. beim Mops) kann es zu einer gesteigerten EPO Produktion kommen.
Daneben kommen auch Tumore in Frage.

Erythropoetin (EPO) ist ein Wachstumsfaktor, der essentiell für die Bildung von neuen roten Blutzellen ist. Es sagt quasi dem Körper „Hey, produziere mehr rote Blutzellen“. Er wird in der Niere gebildet und spielt auch beim Doping im Sport eine große Rolle.

Symptome einer Erhöhung der Erythrozyten (Polyzythämie)

können dunkelrote Schleimhäute und eine Blutungsneigung durch einen mechanischen Riss der kleinen Blutgefäße (Nasenbluten, Einblutungen im Auge, Blut im Urin) sein. Weiter kann es zu zentralnervösen Symptomen oder Thrombosen kommen.

Erniedrigung der roten Blutkörperchen (Anämie)

Eine Anämie, bedeutet dagegen, dass der Hund zu wenig rote Blutkörperchen hat. Der Anteil der roten Blutkörperchen am Gesamtblut wird als Hämatokrit angegeben. Bei Hunden liegt dieser zwischen 44-57 %.

Eine Anämie an sich, ist keine selbständige Krankheit, sondern Ausdruck einer anderen Erkrankung. Denn normalerweise sollten Abbau und Neubildung im Gleichgewicht liegen.

Für eine Anämie können 3 Gründe vorliegen:

Es werden nicht genügend neue rote Blutkörperchen gebildet, auch bezeichnet als aplastische Anämie oder Knochenmarksinsuffizienz.
Chronische Erkrankungen, wie Niereninsuffizienzen oder Schilddrüsenunterfunktionen, aber auch Infektionen können zur Anämie führen. Es gibt einige Autoimmunerkrankungen, die eine Neubildung der roten Blutkörperchen verhindern und auch Tumorerkrankungen oder Mangelanämien (wie Eisenmangel, Vitamin B und Folsäuremangel) können zur Anämie führen.

Wenn eine Blutung eine Anämie verursacht, spricht man auch als Blutungsanämie.

Hauptursache sind Verletzungen und Traumata. Aber auch verschiedene Tumorarten, wie zum Beispiel Milztumore oder Darmtumore können zu Blutungen führen und damit eine Anämie verursachen. Daneben sind noch Krankheiten, die eine normale Blutgerinnung verhindern, wie zum Beispiel Rattengifte oder angeborene Blutgerinnungsstörungen zu nennen. Was leider immer mal wieder vorkommt, ist ein hochgradiger Befall mit Flöhen, Zecken oder Würmern, die eine Anämie beim Tier verursachen.

Als dritte Möglichkeit kann die Lebenszeit der roten Blutkörperchen reduziert sein (normal sind etwa 120 Tage).
Dies geschieht durch einen übermäßigen Abbau bzw. weil die roten Blutkörperchen zerstört werden (hämolytische Anämie).
Die Hauptursachen für eine Hämolyse sind Autoimmunerkrankungen und Blutparasiten, wie Babesien, Ehrlichien oder Anaplasmen. Aber auch Chemikalien oder Toxine, sowie Tumorerkrankungen können eine hämolytische Anämie verursachen.

Symptome einer Anämie

Äußerlich ist eine Anämie durch sehr blasse Schleimhäute sichtbar.
Wenn es sehr schnell zu einer starken Zerstörung der roten Blutkörperchen kommt, werden große Mengen an roten Farbstoff (Hämoglobin) freigesetzt und die Schleimhäute färben sich gelblich (man spricht dann von einem Ikterus).
Außerdem sind Hunde mit einer Anämie schnell schlapp, müde und zeigen wenig Antrieb. Das ist darauf zurückzuführen, dass der Sauerstoffgehalt, der durch die roten Blutkörperchen transportiert wird, reduziert ist.

Wichtig ist: Welche Grunderkrankung verursacht die Anämie?

Bei einem anämischen Hund ist es natürlich sehr wichtig zu unterscheiden, welche Grunderkrankung zugrunde liegt. Also handelt es sich um eine Bildungsstörung, eine Blutung oder ein übermäßiger Abbau der roten Blutkörperchen.
So schaut man sich bei einem anämischen Patienten immer die Retikulozyten an.
Das sind junge, noch unreife rote Blutkörperchen und die Anwesenheit dieser Zellen, deutet darauf hin, dass das Knochenmark auf den erhöhten Bedarf an roten Blutkörperchen reagiert. Auch eine biochemische Untersuchung des Blutes und eine Urinuntersuchung sind wichtig, um die Organfunktionen und den Elektolythaushalt des Hundes einschätzen zu können. Ebenso ist eine Untersuchung der Blutgerinnung empfehlenswert, um mögliche Gerinnungsstörungen auszuschließen. Eine Kotuntersuchung kann zum einen Hinweise auf Parasiten geben und zum anderen können chronische Blutungen aus dem Darmtrakt ausgeschlossen werden.
Zusätzlich kann man mittels eines Blutausstriches unter dem Mikroskop nach Infektionserregern, wie Anaplasmen, suchen.
Manchmal ist es außerdem sinnvoll, eine Knochenmarksbiopsie durchzuführen. Die dadurch entnommenen Zellen können anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden und Auskunft über den Zustand des Knochenmarks geben.

Die Retikulozyten sind unreife rote Blutkörperchen (Erythrozyten). An Hand der Retikulozytenzahl lässt sich also der Regenerationsprozess ablesen.

Die Blutplättchen (Thrombozyten)

Die Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt, sind ein wichtiger Bestandteil des körpereigenen Gerinnungssystems und spielen somit eine wichtige Rolle in der Blutgerinnung. Bei jeder Verletzung sind sie die ersten an Ort und Stelle und versuchen diese zu verschließen.

Die Erhöhung der Blutplättchen (Thrombozytose)

Als eine Thrombozytose bezeichnet man eine Erhöhung der Blutplättchen. Dieser Anstieg der Blutplättchen kann im schlimmsten Fall zu einer Hyperkoagulopathie (> 500.000/µl) führen, das heißt das Blut gerinnt schneller und das wiederum führt zu einer erhöhten Thromben- und Emboliegefahr.
Wenn deinem Hund die Milz entfernt wurde, kann das auch zu einer leichten Thrombozytose führen, dass ist in diesem Fall aber unbedenklich.

Eine Erniedrigung der Blutplättchen (Thrombozytopenie)

Als eine Thrombozytopenie bezeichnet man eine Erniedrigung der Blutplättchen (Thrombozyten).
Die Blutplättchen sind essentiell für eine gut funktionierende Blutgerinnung. Wenn die Blutplättchen unter < 50.000/µl Blut fallen, kann es zu ernsten Blutungen kommen. Wenn eine Thrombozytopenie (Erniedrigung der Blutplättchen) diagnostiziert wurde, sollte immer eine Pseudothrobozytopenie ausgeschlossen werden.

Darunter versteht man das Verklumpen der Blutplättchen, zum Beispiel verursacht durch eine fehlerhafte Blutentnahme oder technische Fehler, beispielsweise durch eine mangelhafte Durchmischung.

Eine Reduktion der Blutplättchen kann zum einen durch eine verminderte Blutplättchenbildung (Thrombozytenproduktion) entstehen und andererseits durch einen erhöhten Verbrauch bzw. verfrühten Abbau der Blutplättchen.

Eine verminderte Blutplättchenbildung kann durch verschiedene Krankheiten verursacht werden.

Myolosuppression

Das bedeutet, dass im Knochenmark, durch eine Infektion (z. B. Ehrlichen, Anaplasmen, Leishmanien, Toxoplasmen, bestimmte Viren, Bakterien oder Toxine) keine neuen Blutzellen und somit auch keine Blutplättchen gebildet werden.
Aber auch nichtinfektiöse Ursachen, wie zum Beispiel eine Knochenmarkshypoplasie (Knochenmark funktioniert nicht mehr richtig) oder Leukämie (Krebserkrankung des blutbildenden Systems) führen zu einer verminderten Bildung der Blutplättchen im Knochenmark.

Infektiöse Erkrankung oder starke Blutung

Führen zu einem gesteigerten Verbrauch und damit auch zu einer Thrombozytopenie (Erniedrigung der Blutplättchen).

Medikamente

können ebenfalls zu einer reduzierten Blutplättchenbildung führen, dazu zählen unter anderem: Antibiotika, Phenylbutazon, Östrogene, Steroide oder Chemotherapeuktika.

Immunologische Reaktionen

Beispielseise die immunmediierte Thrombopenie (IMT)
Bei dieser Erkrankung bildet der Körper Antikörper gegen die körpereigenen Blutplättchen und zerstört diese. Es besteht eine Rassedisposition für Cocker Spaniel, Pudel, Bobtail, Deutscher Schäferhund. Weibliche Tiere im mittleren Alter sind häufiger betroffen.

Stoffwechselstörungen

wie Leberschäden, Urämie und auch Vitaminmangel (z.B. durch eine Bauchspeicheldrüsenerkrankung) können zu einer Verminderung der Thrombozyten führen.
Als Urämie bezeichnet man den gestörten Abbau von Stoffwechselprodukten, verursacht durch eine Niereninsuffizienz. Durch diese Störung kommt es zu einer „eigenen Vergiftung des Körpers“.

DIC

Ist eine der häufigsten Ursachen für einen zu hohen Blutplättchenverbrauch. Unter einer disseminierten intravasalen Gerinnung versteht man den gesteigerten Verbrauch von Gerinnungsfaktoren und Blutplättchen mit anschließendem Mangel dieser Komponenten. Die DIC kann durch eine Vielzahl verschiedener, schwerer Erkrankungen ausgelöst werden.

Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten)

Die weißen Blutkörperchen, auch Leukozyten genannt, spielen eine wichtige Rolle bei der Erregerabwehr (“Entzündungszellen”). Es gibt verschiedene Arten von Leukozyten, die alle unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen.

Die Erhöhung der weißen Blutkörperchen (Leukozytose)

Als Leukozytose bezeichnet man eine Erhöhung der weißen Blutkörperchen. Eine häufig vorkommende Laborveränderung. Eine Erhöhung der weißen Blutkörperchen ist erst einmal sehr unspezifisch und sollte eine weiterführende Untersuchung der weißen Blutkörperchen nach sich ziehen, um genau die Gruppe der Leukozyten, die erhöht ist, zu identifizieren. Sehr häufig sind das die Neutrophilen Granulozyten.
Jüngere Tiere haben physiologischerweise höhere Leukozytenzahlen.

Die Erniedrigung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie)

Unter einer Leukopenie versteht man die Erniedrigung der weißen Blutkörperchen. Je nach Schwere der Leukopenie kann die Abwehrbereitschaft des Körpers erheblich reduziert sein. Auch sie ist zunächst recht unspezifisch. Bei einer Leukopenie sollte man sich die einzelnen Gruppen der Leukozyten anschauen, um genauer zu differenzieren, welcher Anteil reduziert ist.

Das weiße Blutbild beim Hund

Gibt dir genaue Informationen über die verschiedenen Entzündungszellen im Körper.

Die Neutrophilen Granulozyten

Eine Erhöhung der neutrophilen Granulozyten (Neutrophilie)

Eine Erhöhung der neutrophilen Granulozyten (Neutrophilie) ist eine häufig auftretende Laborveränderung. Sie kann beispielsweise durch Angst, Stress (!) oder körperliche Belastung auftreten. Außerdem ist sie eine typische Begleiterkrankung der meisten akuten und chronischen Erkrankungen (sowohl infektiös als auch nicht-infektiös).
Akute Krankheiten gehen mit einer sehr ausgeprägten Neutrophilie einher. Auch einige Medikamente wie Cortison und Adrenalin können zu einer Neutrophilie führen.

Bei der Betrachtung der neutrophilen Granulozyten achtet man außerdem auf die Zahl der segmentkernigen Granulozyten. Dabei handelt es sich um unreife neutrophile Granulozyten (Vorläuferzellen). Dabei machen die unreifen Zellen in der Regel 10 % der Gesamtzahl der neutrophilen Granulozyten aus. Man spricht auch von einer Linksverschiebung. Das Ausmaß der Linksverschiebung ist Ausdruck der Schwere der Erkrankung und die Höhe der Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen spiegelt das Regerationsvermögen des Knochenmarks wider.

Eine Erniedrigung der neutrophilen Granulozyten (Neutropenie)

Eine Verminderung der neutrophilen Granulozyten kann beispielsweise durch eine Parvoviroseinfektion ausgelöst werden. Daneben kommt eine Knochenmarkssuppression, beispielsweise durch bestimmte Medikamente ausgelöst, in Frage:
Zytostatika im Rahmen einer Chemotherapie, einige Antibiotika oder Phenobarbital, das zur Behandlung der Epilepsie eingesetzt wird.

Die eosinophilen Granulozyten

Eine Erhöhung der eosinophilen Granulozyten (Eosinophilie)

Eine Erhöhung der eosinophilen Granulozyten ist häufig Ausdruck eines Parasitenbefalls oder einer Floh-/ Futtermittelallergie. Rassespezifisch kann es beim deutschen Schäferhund zu erhöhten eosinophilen Granulozyten kommen, quasi „normal“, die Ursachen sind noch ungeklärt.
Ebenso ist eine subklinische Erkrankung denkbar. Eine unterschwellige Krankheit, die äußerlich nicht oder nur kaum sichtbar ist.

Eine Erniedrigung der eosinophilen Granulozyten (Eosinopenie)

Die häufigste Ursache bei einer Eosinopenie (Erniedrigung der eosinophilen Granulozyten) ist Folge der körpereigenen Cortisolfreisetzung und daher Begleitsymptom vieler Infektionen oder Entzündungen.

Die basophilen Granulozyten

Eine Erhöhung der basophilen Granulozyten (Basophilie)

Tritt sehr selten auf und dann meistens in Begleitung einer Erhöhung der eosinophilen Granulozyten.
Als Ursache kommen allergische, infektiöse (wie bei einer Herzwurmerkrankung), chronisch entzündliche oder endokrine Erkrankungen in Frage.

Die Monozyten

Eine Erhöhung der Monozyten (Monozytose)

Das Vorliegen einer Monozytose (Erhöhung der Monozyten) deutet daraufhin, dass der Hund sich in einer subakuten bis chronischen Krankheitsphase befindet. Aus den Monozyten entwickeln sich später die Makrophagen, die wiederrum eine wichtige Funktion bei der Entzündungsabwehr einnehmen.
Mögliche Ursachen einer Monozytose sind alle möglichen Infektionen, aber auch immunvermittelte Erkrankungen und Tumorerkrankungen sind denkbar.

Eine Erniedrigung der Monozyten (Monozytopenie)

Eine Erniedrigung der Monozyten tritt äußerst selten auf und ohne jegliche klinische Relevanz.

Die Lymphozyten

Eine Erhöhung der Lymphozyten (Lymphozytose)

Eine Erhöhung der Lymphozyten ist überwiegend Ausdruck einer Heilungsphase. Daneben übernimmt diese Zellenart wichtige Funktionen in der Erregerabwehr.
Eine Lymphozytose tritt überwiegend bei viralen Erkrankungen auf. Welpen haben physiologischerweise deutlich höhere Lymphozytenwerte.

Erniedrigung der Lymphozyten (Lymphozytopenie)

Eine Erniedrigung der Lymphozyten kann durch Stress (durch Kortisolausschüttung), bei Virusinfektionen oder einer Chemotherapie auftreten.

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Die klinische Chemie und die Elektrolyte

Bei der klinischen Chemie werden die chemischen Kenngrößen, wie Elektrolyte, Proteine oder Lipide untersucht.

Alaninaminotransferase (ALT)

Die Alaninaminotransferase (ALT) ist bei Hund und Katze ein leberspezifisches Enzym, da sei bereits bei einer geringgradigen Leberzellschädigung erhöht ist. Eine Erhöhung der ALT findet man sowohl bei akuten, als auch bei chronischen Krankheiten. Die ALT kann bei Kortisongabe und Antiepileptika ebenfalls erhöht sein. Es kann jedoch keine Aussage über den Ausmaß der Schädigung und über die Funktionsstörung getätigt werden.

Albumin (ALB)

Albumin ist ein von der Leber produziertes Protein. Sinkt der Albuminspiegel im Blut, kann dies ein Hinweis für chronische Leber- oder Nierenerkrankungen und Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes sein.

Alkalische Phoshatase (AP)

Die Alkalische Phosphatase ist ein Enzym, das in vielen Geweben einschließlich Leber und Knochen vorhanden ist. Erhöhte Werte können ein Hinweis auf Lebererkrankungen oder das Cushing-Syndrom sein. Sollten jedoch immer im Kontext zu den anderen Parametern gesehen werden.

Aspartataminotransferase (AST)

Die Aspartataminotransferase ist ein Enzym das im Zellplasma und in den Mitochondrien der Zelle vorkommt. Da die AST in verschiedenen Organen (Herzmuskel, Skelettmuskulatur, Leber) vorkommt, ist sie nicht organspezifisch. Zusammen mit der ALT kann die Schwere der Leberschädigung eingeschätzt werden. Denn die AST wird nur bei Zelltod freigesetzt. Sind beide Parameter erhöht, spricht dies für eine schwere Zellschädigung.

Gesamt-Bilirubin (TBIL)

Bilirubin ist ein Abfallprodukt des Hämoglobinabbaus und ein Bestandteil des Gallensekrets. Erhöhte Bilirubinwerte im Blut sind ein Indiz für Lebererkrankungen oder bestimmte Anämien.

Glutamatdehydrogenase (GLDH)

Die Glutamatdehydrogenase ist ein leberspezifisches Enzym für den Hund und ein sehr sensitiver Parameter. Neben einer Leberschädigung, kann auch eine Vergiftung mit lebertoxischen Substanzen und eine akute Rechtsherzinsuffizienz, eine Erhöhung der GLDH auslösen.

Blutharnstickstoff (BUN)

Der Blutharnstickstoff wird von der Leber produziert und über die Nieren ausgeschieden. Massiv hohe Werte können ein Anzeichen für Nierenerkrankung oder Dehydrierung sein. Niedrige Blutharnstoffwerte hingegen stehen oft im Zusammenhang mit Lebererkrankungen.

Phosphor (PHOS)

Erhöhte Phosphorwerte können für Nierenerkrankungen sprechen.

Harnstoff

Dieser Wert sollte immer nach 8 – 12 Stunden fasten bestimmt werden, da eine vorherige Futteraufnahme zu einer Erhöhung des Wertes führen kann. Da dieser Parameter nicht Nierenspezifisch ist, sollte er immer in Zusammenhang mit Kreatinin betrachtet werden.

Kreatinin (CREA)

Kreatinin entsteht als Nebenprodukt des Muskelstoffwechsels und wird normalerweise über die Niere ausgeschieden. Zu erhöhten Werten kann es bei Nierenerkrankungen, Harnstauung oder Dehydrierung (=Austrocknung) kommen. In diesem Fall sollten weitere Untersuchungen folgen, um die Nierenfunktion besser beurteilen zu können, z. B. Protein-Kreatinin-Quotient im Urin
Erhöhte Kreatininwerte bei jüngeren Tieren, können je nach Wert als gesteigerten Muskelstoffwechsel gedeutet werden.

Symmetrisches Dimethylarginin (SDMA)

Symmetrisches Dimethylarginin (SDMA) wird beim Proteinabbau freigesetzt über die Niere fast vollständig zurück gefiltert und ausgeschieden. SDMA gilt als ein sehr früher Marker für sowohl akute als auch chronische Nierenerkrankungen.

Gesamteiweiß (TP)

Der Gesamteiweißwert kann bei einer Reihe von Erkrankungen verändert sein und z.B. als Hinweis für Erkrankungen der Leber, der Nieren, des Magen-Darm-Traktes und für Dehydrierung dienen. Die Tumorerkrankung Multiples Myelom führt zu stark erhöhten Protein- und Albuminwerten. Durch diese starke Erhöhung kommt es regelrecht zu einer Bluteindickung, dass wiederum ist extrem schädlich und führt zu Sehstörungen, Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen.

Kalzium (Ca2+)

Erhöhte Kalziumwerte können auf Erkrankungen der Nieren oder der Nebenschilddrüse hindeuten, aber auch auf bestimmte Tumorarten (Analbeutelkarzinom, T-Zell Lymphom).

Cholesterin (CHOL)

Zu erhöhten Cholesterinwerten kommt es bei einer Vielzahl von Krankheiten. Unter anderem findet man sie bei genetischen Erkrankungen, Leber- und Nierenbeschwerden sowie Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

Blutzucker/Glucose (GLU)

Erhöhte Glucosespiegel treten beispielsweise bei Diabetes mellitus auf. Aber auch Stress (z.B. Transport zum Tierarzt, lange Wartezeit etc.) lässt die Blutzuckerwerte erhöhen.  Zu niedrige Werte können sich hingegen bei Lebererkrankungen, Infektionen oder bestimmten Tumorarten zeigen. Bei dem Verdacht einer Diabetes mellitus Erkrankung sollte stets die Fructose mitbestimmt werden.

Amylase (AMYL), Lipase

Diese Enzyme werden von der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert und fördert die Verdauung. Erhöhte Blutwerte können ein Indiz für Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse sein. Jedoch wird der diagnostische Wert von Amylase immer wieder diskutiert. Denn die Veränderung der Werte korreliert nicht mit dem Schweregrad der Erkrankung. Außerdem ist die Spezifität dieser Parameter eingeschränkt.

Zu beachten ist dabei, dass nur Werte, die das Dreifache der oberen Grenze des Referenzbereiches überschreiten, aussagekräftig und verdächtig für eine akute Bauchspeicheldrüsenerkrankung sind.

Daneben kommen auch Erkrankungen des Magen-Darmtraks, Lebererkrankungen und Nierenerkrankungen in Betracht. Seit einiger Zeit stehen jedoch viel spezifischere Parameter zur Untersuchung der Bauchspeicheldrüse zur Verfügung – die canine pankreatische Lipase (cPLI).

Canine pankreatische Lipase (cPLI)

Diese ist sowohl pankreasspezifisch als auch sehr sensitiv und gerade für akute Geschehen geeignet (Bauchspeicheldrüsenentzündung und -nekrose).

Canine Trypsin-like Immunoreactivitiy (cTLI)

Für die Untersuchung einer chronischen Bauchspeicheldrüsenschwäche, eignet sich die canine Trypsin-like Immunoreactivitiy (cTLI). Eine Erhöhung dieses Parameters spricht für eine akute Erkrankung, eine Erniedrigung dieses Wertes eher für ein chronisches Geschehen. Daneben besteht noch die Möglichkeit, aus dem Kot die fäkale, canine pankreatische Elastase zu bestimmen. Eine Erniedrigung dieses Parameters deutet in den allermeisten Fällen auf eine chronische Bauchspeicheldrüsenerkrankung hin.

Natrium, Kalium, Chlorid (Na+, K+, Cl-)

Das Gleichgewicht dieser 3 Elektrolyte ist für die Gesundheit des Hundes ausschlaggebend und abweichende Werte können schnell lebensbedrohlich werden. Die Elekrtrolytwerte sind besonders bei der Beurteilung von Erbrechen, Durchfall und Herzbeschwerden hilfreich.

Fazit

Das Blutbild beim Hund liefert uns viele Informationen zum Allgemeinbefinden des Hundes und über die Organgesundheit. Und ist somit ein wichtiges Hilfsmittel in der Diagnostik.

Ich bin auch ein großer Befürworter eines Altercheck. Wir gehen ja auch zu gewissen Vorsorgeuntersuchungen, oder? Warum also nicht auch unsere Hunde. Ich finde es ist wichtig Organbeschwerden schon frühzeitig aufzuspüren und dann entsprechend gegenzuwirken. Rocky leidet ja, wie du wahrscheinlich weißt, unter Arthrose und hatte zwischenzeitlich auch mit den Nieren Probleme. In dieser Zeit habe ich alle 6 Monate eine Laboruntersuchung anfertigen lassen. Durch Futterumstellung konnten wir viel erreichen, sodass nun alle Nierenparameter wieder im Normbereich sind und ich die Blutwerte zur Zeit nur einmal jährlich untersuchen lasse.

Lässt du auch regelmäßig eine Blutuntersuchung deines Hundes anfertigen?


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